Schottenrock, Muskeln und Dudelsack

Die Highland Games sind eine sportliche Veranstaltung mit schottischem Ursprung. Bei diversen Disziplinen, wie Baumstammwerfen, Steinstoßen und Hammerwerfen, lassen die Teilnehmer im Schottenrock ihre Muskeln spielen. Inzwischen ist das traditionelle Event weltweit bekannt und sorgt auch in Österreich für große Begeisterung.

Das Baumstammwerfen gilt als Königsdisziplin der Highland Games. © Copyright Events GmbH

Aus den rund 50 Disziplinen haben sich die „Heavy Events“, bei denen schwere Gewichte verwendet werden, am stärksten etabliert. Bei manchen Wettbewerben stehen auch unterschiedliche Gewichtsklassen und eine Einzel- oder Teamwertung zur Auswahl. Zu den bekanntesten Disziplinen zählt zum Beispiel der Baumstammwurf – die “Königsdisziplin” der Highland Games. Dabei muss sich ein fünf bis sechs Meter und bis zu 60 kg schwerer Baumstamm einmal um 180° drehen und möglichst gerade liegen bleiben. Zu den „Heavy Events“ zählen unter anderem auch das Steinstoßen und Hammerwerfen. Die Bewerbe ähneln den olympischen Disziplinen Kugelstoßen und Hammerwurf, es wird jedoch auf andere Wurfgeräte zurückgegriffen. Bei den Highland Games verwenden die Athleten eine bis zu 10 kg schwere Kugel oder auch große Steine und einen Hammer, der aus einer Eisenkugel und einem flexiblen Stiel aus Holz oder Kunststoff besteht. Auch der Gewichtshochwurf, wo ein 19 bis 25 kg schweres Gewicht über eine Latte geworfen werden muss, ist oft im Programm der Highland Games zu finden. Im Mannschaftssport sorgt das Tau- bzw. Seilziehen, bei dem die Gegner über eine Spielfeldmarkierung gezogen werden müssen, für spannende Duelle zweier Teams bestehend aus zwei bis fünf Personen.


Wetttrinken steht auch auf dem Programm

Aufgrund der schottischen Tradition muss jeder Starter einen Kilt tragen. Mit den landestypischen Dudelsackklängen und Volkstänzen wird für gute Stimmung gesorgt. In Österreich finden jährlich etwa 15 bis 20 Highland Games statt. Darunter finden sich sowohl Veranstaltungen, die dem Original ähneln sollen, als auch Events mit entschärften Regeln. Während bei den „Original Highland Games“ größtenteils die „Heavy Events“ am Programm stehen, können die Teilnehmer bei vielen Spielen auch an amüsanten Wettkämpfen, wie Bier-Wetttrinken, Fassrollen und Eierweitwerfen an den Start gehen. Die Disziplinen unterscheiden sich je nach Veranstalter bzw. Bundesland. Zu den bekanntesten und traditionellsten Spielen in Österreich zählen jene des „First Carinthian Highland Clubs“. Seit der Gründung im Jahr 1984 veranstaltet der Verein unter dem Motto „Weniger Ernst, mehr Spaß“ jährlich eigene Spiele, wo sich Zweierteams in Bewerben wie „Bierlezupfn“, „Seilziagn“ und „Bamaschmeißn“, duellieren. Falls es das Coronavirus zulässt, finden die diesjährigen Spiele im September statt. Zu weiteren beliebten Highland-Veranstaltungen in Österreich zählen unter anderem die Waldviertler Highland Games, die aufgrund des Coronavirus erst im Mai 2021 wieder stattfinden können und die Highland Games in Donnerskirchen (Burgenland), die im August 2020 über die Bühne gehen sollen.

Das Dudelsackspielen gehört bei den Highland Games dazu. © Copyright pixabay

Vorteile für Leichtathleten

Die besten Highland-Athleten sind in der Regel ehemalige oder aktive Leichtathleten. Das zeigt auch ein Blick auf die stärksten Österreicher: Martin Schiller ist ehemaliger Hammerwerfer, Stefan Dumitrica war Kugelstoßer und Diskuswerfer und Georg Stamminger ist aktiver Kugelstoßer. Im März 2020 standen die Highland Games als Indoor-Variante im Programm des Arnolds Sports Festivals – eine jährliche Multisportveranstaltung, die nach Arnold Schwarzenegger benannt wurde und besonders für das Bodybuilding bekannt ist. Mit Stefan Dumitrica belegte ein Österreicher den 2. Platz.

International werden Highland Games seit 2001 von der International Highland Games Federation (IHGF), die unter anderem Europa- und Weltmeisterschaften veranstaltet, organisiert. Die Österreichische Highland Games Vereinigung wurde 2010 gegründet und richtet jährlich österreichische Meisterschaften aus. Außerdem ermöglicht sie den stärksten heimischen Athleten ein Antreten bei internationalen Meisterschaften. Am 30. Mai 2020 soll die Saison mit einem Turnier im Trainingsgelände in der Seestadt Aspern eröffnet werden. Aufgrund der aktuellen Situation werden jedoch nur acht Athleten an den Start gehen. Von 20. bis 21. Juni sind in der Seestadt bereits größere Spiele mit zwölf Athleten pro Tag geplant.

Österreichische Highland Games Vereinigung