Zurück zu alten Mustern

Langsam kehren wir wieder zu einem Normalzustand zurück. Jetzt gilt es zu bewährten Mustern zurückzukehren. Durch konstantes Training kann konstante Leistung erzielt werden. Rituale helfen dabei Sicherheit und Selbstvertrauen zu geben.

Von Philipp Nägele

Der Shut-Down in Österreich löst sich gerade langsam wieder auf und wir alle versuchen schrittweise in ein normales Leben zurückzukehren und einen gewissen „neuen“ Alltag zu etablieren. In der Arbeit mit Athleten habe ich in den letzten Wochen bemerkt, dass der Fokus auf das „Dranbleiben“, trainieren und fit bleiben sehr hoch ist und gut umgesetzt wird.

Sofern die Zielsetzungen gemacht wurden, gilt es nun diese in die Tat umzusetzen. Das bedeutet, dass der Athlet genau jetzt zurück zu seinen alten Mustern kommen muss. Nun ist eines dabei wichtig: diese Muster müssen zwingend positiv sein! Wenn die „Arbeitsmoral“ im Training vorher schon schwach war, wird einerseits in der Heim-Quarantäne-Zeit ebenfalls nur dürftig gewesen sein. Und die Moral wird sich nicht von selbst über Nacht nun zum Besseren verändern. Das bedeutet, wir müssen neue, positive Gewohnheiten erarbeiten, festigen und etablieren. Es gibt dabei eine alte Regel, dass eine Gewohnheit 21 Tage benötigt, um gefestigt zu sein und Bestand zu haben. Ich persönlich bin der Meinung, dass wenn eine Gewohnheit vorher noch nicht da war, es sehr viel mehr als diese 21 Tage benötigen wird. Es benötigt eine tägliche klare Entscheidung für diese Gewohnheit mit dem Wissen, warum diese gewünscht und umgesetzt werden soll.

Es ist ganz einfach: bereits als Kinder erlernen wir Muster. Wir entnehmen Sie unseren Eltern, lernen welche in der Schule und schauen uns etwas von Vorbildern und Freunden ab. Wenn wir darauf zurückblicken können wir nur hoffen, dass diese Muster positiv und unterstützend für uns waren! Denn diese „brennen“ sich sprichwörtlich in unser Gehirn und somit in unsere Gewohnheiten ein. Deshalb sind 21 Tage manchmal zu wenig. Nun stellt sich die Frage: Wie können wir neue und positive Muster und Gewohnheiten aufbauen?

Denn genau JETZT ist die richtige Zeit für neue Muster, Rituale und Gewohnheiten!

Ich nehme hier gerne das Beispiel der Konstanz her. Es gibt beinahe nur eine Möglichkeit, Konstanz in den Wettkampf und Performances hinein zu bringen: nur konstantes Training mit konstant eingehaltenen Mustern bringt konstante Performance.

Eine weitere Möglichkeit ist es die verschiedensten Rituale einzubauen. In Ritualen liegt viel Kraft, vieles an Ressourcen und sie verfolgen am Ende immer einen Zweck: uns Sicherheit und Selbstvertrauen zu geben. Denn wenn wir die Rituale im Training etablieren, uns daran gewöhnen, ein neues Muster bauen, Vertrauen darin gewinnen, uns sicher sind, dass diese funktionieren – was wird wohl dann am Ende rauskommen? Kraft, Energie, Freude, Spaß, Sicherheit und genau das oftmals angesprochene Selbstvertrauen! Denn wir haben ein Ritual und Muster im Training hundert, tausende Male trainiert. Wir haben ebenso viel Erfolg mit diesem Muster und der Gewohnheit im Training erlebt. Genau deshalb gibt uns dies im Wettkampf den gewünschten Halt.

Fordere diese Gewohnheiten auch immer wieder heraus. Mit neuen Elementen, neuen Ansätzen und Herangehensweisen – denn es gibt keine Komfortzone im Sport! Die Rituale und Muster festigen sich noch viel stärker, wenn diese für verschiedene Situationen adaptiert werden.

Deshalb hat jeder Athlet genau in diesem Moment die Möglichkeit neue und positive Muster aufzubauen, einzugliedern ins Training und in die mentale Ebene. Jetzt kann langsam wieder im Freien trainiert werden. Denn genau JETZT ist die richtige Zeit für neue Muster, Rituale und Gewohnheiten!