Alles im Leben kommt wieder zurück

Viktoria Wolffhardt ist eines der größten Talente im Kanu-Sport. Als Tochter zweier Kanuten hat die Sportsoldatin die Liebe zum Wasser schon in die Wiege gelegt bekommen. Im Gespräch mit dem Bundessportmagazin spricht sie über den Konkurrenzdruck, den Trainingsaufwand für zwei Disziplinen und ihr großes sportliches Ziel, die Olympischen Spiele in Tokyo 2020. (Titelbild: GEPA pictures/ Philipp Brem)

Wie bist du zu dem Kanu-Sport gekommen?

Viktoria Wolffhardt, eines der größten Talente im Kanu-Sport (Foto: Dieter Hüttner)

Wolffhardt: Schon meine Eltern haben sich durch den Kanusport kennengelernt. Eigentlich ist mir gar nicht viel Anderes übergeblieben als den Sport auch zu machen. Ich habe aber auch viel ausprobieren dürfen. Angefangen habe ich mit Ballett, dann habe ich meine Grazie vom Ballett beim Handballspielen wieder verloren. Nebenbei bin ich immer wieder im Boot von meiner Mutter gesessen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Potenzial im Paddeln das größere ist.

Du startest im Kanuslalom mit dem Kajak und dem Canadier. 
Wie kam es dazu?

Wolffhardt: Eigentlich ist es nicht üblich in zwei Disziplinen zu starten. Ich habe sehr lange dafür kämpfen müssen. Mir wurde geraten, mich auf eine Disziplin zu konzentrieren. Ich mag aber die Herausforderung. Ich merke auch, wenn ich nur eine Disziplin fahre, dass mir etwas abgeht, dass mir ein bisserl langweilig wird.

Welche Disziplin ist dir lieber?

Wolffhardt: Das ist tagesabhängig. Einmal so und einmal so.

Wie sieht denn dein Trainingsalltag aus?

Wolffhardt: Im Sommer bin ich sehr viel bei Wettkämpfen, da gibt es keine richtige Routine. Im Winter habe zwei bis drei Trainingseinheiten am Tag. Dazwischen gibt es noch Regenerationseinheiten und Physiotherapie. Trainiert wird aber fast das ganze Jahr, auch auf der Wildwasseranlage auf der Wiener Donauinsel. Nur wenn die Pumpen dort das Eis nicht mehr zerstören können, kann man nicht mehr fahren. Um diese Zeit zu überbrücken, haben wir ein Warmwassertraining in Dubai oder in Australien.

Wird im Wildwasser auch noch gefahren?

Wolffhardt: Das wird immer weniger. Durch die wechselnden Bedingungen im Wildwasser ist ein Wettkampf kaum fair zu gestalten. Man kommt auch schlecht hin. Deshalb verlagert sich alles auf künstliche Strecken.

Was waren denn deine bisherigen sportlichen Highlights?

Wolffhardt: Der Europameistertitel im Kanuslalom, im letzten Jahr, war ein cooles Erlebnis, aber auch die Verteidigung des U23-Weltmeistertitels im Jahr 2016 war schon etwas besonders.

Hast du persönlich auch schon Rückschläge hinnehmen müssen?

Wolffhardt: 2016 habe ich mir das Kreuzband gerissen. Nachdem ich in der einen Bootskategorie knie, musste ich operiert werden. Ich habe lernen müssen, dass es jetzt halt nicht geht. Ich habe fünf Monate gebraucht wieder in die richtige Position im Boot zu kommen. Im Nachhinein hat es mir nicht schlecht getan. Wahrscheinlich habe ich diese Auszeit gebraucht, um nicht immer nur ans Paddeln zu denken. Ich habe mich in dieser Zeit sehr viel mit mir selbst auseinandersetzen müssen und auch viel über meinen Körper gelernt. Die Saison nach der Operation war dann eine meiner besten überhaupt.

Worauf trainierst du momentan hin?

Wolffhardt: Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Es darf nur eine Person pro Kategorie und Land fahren. Das macht es besonders schwer zu den Olympischen Spielen zu kommen. Entscheiden wird es sich bei der Weltmeisterschaft im spanischen La Seu D‘urgell Ende September. Der interne Kampf ist kein leichter. Wir haben sehr starke Mädels in Österreich.

Ist diese Konkurrenz auch außerhalb der Wettkämpfe da?

Wolffhardt: Es bringt nichts, den Konkurrenzkampf außerhalb des Wassers auszutragen. Wir respektieren und akzeptieren einander. Wir verbringen beim Training sehr viel Zeit gemeinsam, wohnen, wenn wir unterwegs sind, meist im gleichen Haus, oft sogar im gleichen Zimmer.

Hast du ein persönliches Motto?

Ich glaube daran, dass alles im Leben wieder zurückkommt. Ich versuche das Leben zu genießen 
und auch dankbar zu sein. Wenn es mir einmal nicht 
so gut geht, denke ich an meine Familie, die gibt mir 
viel Kraft. DH