Hapkido – Anhand von Atemtechniken, seine Energie (Ki) zur Selbstverteidigung gezielt einzusetzen

Von Ludwig Hofer

Neben Korean Pop etabliert sich in Europa die koreanische Kampfkunst Hapkido, in welcher Tritte, Schlag-, Hebel- und Wurftechniken gegen verschiedene Arten von Angriffen gelehrt werden. Wie im professionellen Tanz gilt es hier den Atem richtig einzusetzen und Koordination und Beweglichkeit zu verbessern. Am 11. Juli 2020, knapp einen Monat vor den Olympischen Spielen in Tokyo, wird wieder eine österreichische Delegation nach Korea/Seoul reisen, um sich im Rahmen der Hapkido Weltmeisterschaft international zu messen. (Titelbild: Christian Pecksteiner)

Was ist das charakteristische an Hapkido?

Im Hapkido werden Tritte, Schlag-, Hebel- und Wurftechniken gegen verschiedene Arten von Angriffen gelehrt. Dies beinhaltet Abwehrtechniken gegen Angriffe am Handgelenk oder an der Kleidung, gegen Faustangriffe, gegen Tritte sowie gegen Würgeangriffe und Würfe. Auch Bodentechniken, Messerabwehr, Techniken mithilfe eines Gürtels, mit Spazierstock und Kurzstock, sowie Pistolenabwehr sind Bestandteil des Hapkido. Sie spielen in Österreich jedoch erst ab den Dangraden (= Schwarzgurten) eine größere Rolle. Zusätzlich lernt ein Hapkido-Schüler richtiges Fallen und Rollen. Ein wichtiger Bestandteil des Trainings sind auch Beintechniken, die denjenigen des Taekwondo ähneln.

Ein Hapkido-Schüler trainiert neben der Kampfkunst auch seine Kraft, Koordination, Beweglichkeit und Schnelligkeit. Ebenso lernt er anhand von Atemtechniken, seine Energie (Ki) gezielt einzusetzen. Hapkido-Training hilft, Disziplin und Durchhaltevermögen zu entwickeln. Das eigene Körpergefühl verbessert sich, das Selbstwertgefühl steigt. Man lernt, sowohl mit sich selbst als auch mit anderen respekt- und verantwortungsvoll umzugehen.

Hapkido ist eine sehr vielfältige Kampfkunst. Neben harter und effektiver Selbstverteidigung kommen auch spektakuläre Techniken nicht zu kurz. Hapkido wird in Korea von Polizei und Militär eingesetzt.

Das Jahr 2020 im Fokus der Hapkido Weltmeisterschaft in Seoul!

2020 wird international im Fokus der Olympischen Spiele stehen. In Korea wird, knapp einen Monat davor, am 11. Juli 2020 die Daehanminguk Hapkido Weltmeisterschaft abgehalten werden. Aktuell laufen hierzu die Vorbereitungen und die Sportler fiebern diesem Ereignis entgegen. Wir hoffen natürlich wie 2016 mit Medaillen in die Heimat zurückkehren zu können, wobei gerade die österreichischen Hapkido Frauen einen wichtigen Beitrag liefern werden.

Hapkido – Von Korea bis nach Salzburg

Hapkido ist eine koreanische Kampfkunst zur Selbstverteidigung, welche im Jahr 1910 ihre Anfänge nahm und 1974 nach Österreich kam. 2011 gründete Großmeister Choi, Kil-Bong gemeinsam mit seinem ursprünglichen Meister Choi, Bang-Hoo den Verband Daehan Minguk Hapkido. Der österreichische Hapkido Fachverband schloss sich dem neugegründeten Verband an. Darüber hinaus wurde gerade neben Wien, Oberösterreich, Steiermark, in Salzburg ein neuer Hapkido Standort aufgebaut. Mag. Ludwig Hofer (3. Dan) leitet hier seit Herbst 2019 das Training (www.hapkido-akademie.at/) und wird dieses 2020 weiter ausbauen. Am 9. September startete das erste Hapkido-Eröffnungstraining. Insgesamt nahmen an diesem Training in der Jahnturnhalle 13 Personen teil. Eine besondere Freude war es auch zu Beginn des Trainings Herrn Dr. Rudolf Aichinger (Honorarkonsul für Korea in Salzburg) begrüßen zu dürfen, welcher dem Hapkido in Salzburg einen guten Start wünschte und sich freute nach Jahren wieder in der Jahnturnhalle sein zu dürfen, in welcher er einst selbst trainierte. Gerade als Honorarkonsul für Korea in Salzburg sei es ihm eine große Freude, dass nun Hapkido über den Salzburger Turnverein Einzug hält. Im Rahmen des ersten Trainings wurde ein forderndes Aufwärmtraining und Fausttechniken (Kwon-Sul) abgehalten. Im koreanischen Restaurant Hibiskus wurde der erfolgreiche Start mit einer verdienten Stärkung – „bulgogi“ – im kleinem Kreis abgerundet.

Durch internationalen Vergleich gelangt man an die Spitze!

Der Daehan Minguk (DHMG)- Federation gehören Hapkido-Schulen in Europa und Korea an, zusätzlich besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Daelim-Universität in Seoul und Teilen der koreanischen Exekutive. Enge Kooperationen gibt es mit Deutschland, Niederlanden, Belgien, Ungarn, Russland und seit 2018 auch mit Schweden.

Österreichisches Demo Team bei der Eröffnung der Hapkido Weltmeisterschaft 2016 in Seoul. (Bild: Ludwig Hofer)

Da der österreichische Hapkido Fachverband (https://hap-ki-do.at/) durch den Präsidenten Gernot Lainer intensiven Kontakt zu Korea pflegt, ist das von uns unterrichtete Hapkido ein modernes, “original koreanisches” Hapkido. Dies belegen auch mehrmalige, ausgezeichnete Erfolge unserer Verbandsmitglieder bei Meisterschaften in Korea. Eine besondere Ehre war es im Rahmen der Weltmeisterschaft 2016 das Demo Team, geleitet durch Herrn Thomas Enengl (Trainer des österreichischen Daehan Minguk Hapkido Demo Teams, Cheftrainer der Vienna Hapkido Academy), für die Eröffnungszeremonie stellen zu dürfen.

Schüler des Hapkido-Fachverbands waren bisher sowohl bei Europameisterschaften als auch bei internationalen Meisterschaften in Korea (2016) äußerst erfolgreich und konnten in verschiedenen Disziplinen (z.B. Freikampf, Fallschule, Technik-Vorführung) Medaillen mit nach Hause bringen. Das zeigt, dass das österreichische Hapkido einen internationalen Vergleich – vor allem aber auch einen Vergleich mit dem Mutterland Korea – nicht zu scheuen braucht!