Grasskifahren – Winter trifft auf Sommer

Skifahren ist auch im Sommer möglich: Beim Grasskifahren fährt man mit fast identer Ausrüstung einen mit Gras bewachsenen Hang hinunter, wobei sich die Skier wesentlich von den Wintersportgeräten unterscheiden. Ähnlich wie beim Ski Alpin zählt Österreich auch in der Sommer-Variante zu den Topnationen. (Titelbild: © Copyright Christian Jansky)

Als Erfinder der etwa 60 Jahre alten Sportart gilt der Deutsche Josef Kaiser. Ursprünglich sollte Grasskifahren als Trainingsmöglichkeit für Alpinskiläufer dienen, um auch während der schneefreien Zeit an der Technik feilen zu können und sich fit zu halten. Grasskifahren konnte sich jedoch bei den Wintersportlern nicht behaupten und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Randsportart mit einer eigenen „Community“. 1971 ging erstmals ein Europacup und fünf Jahre später bereits die erste Europameisterschaft über die Bühne. Seit 1979 werden alle zwei Jahre Weltmeisterschaften ausgetragen. Nachdem Grasskifahren im Jahr 2000 in den Internationalen Skiverband (FIS) aufgenommen wurde, findet jährlich ein Weltcup statt. Mit Ausnahme der Abfahrt stehen im Weltcup dieselben Disziplinen wie im Skisport auf dem Programm: Slalom, Riesenslalom, Super G, Superkombination und Parallelwettbewerbe.

Bremsen ist nicht möglich

Grasskifahren ist meist von Ende April bis Ende September möglich. Für ein sicheres Fahren muss der Hang einige Auflagen erfüllen. Da schnell hohe Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreicht werden und im Gegensatz zum Skifahren das Bremsen nicht möglich ist, darf das Gefälle nicht zu steil und die Piste nicht zu uneben sein. Zum Stoppen muss der Grasski ausgefahren werden, was einen großen Zielauslauf erfordert.

Ausrüstung

Bis auf die Skier unterscheidet sich die Ausrüstung nicht zu jener im Winter, weshalb man im Sommer schon einmal ordentlich ins Schwitzen geraten kann. Mit einer Länge zwischen 80 und 100 Zentimetern sind die Grasskier deutlich kürzer als klassische Skier. Ein Grasski funktioniert ähnlich wie ein Kettenfahrzeug – er besteht aus zwei über eine Achse miteinander verbundenen Rollen. Darüber läuft der sogenannte „Belag“, ein Gurt mit Gleitelementen. An beiden Enden ist der Ski etwas nach oben gebogen. Da die Bewegungselemente dem Skifahren ähneln, kommt ein guter Skifahrer naturgemäß auch schnell mit dem Grasski zurecht.

Die Grasskier ähneln einem Kettenfahrzeug. © Copyright Christian Jansky

Kleines Teilnehmerfeld

Im Weltcup ist die Dichte nicht all zu groß und es sind lediglich Teilnehmer aus Italien, Österreich, Tschechien, Deutschland, Schweden, der Schweiz, der Slowakei, und dem Iran am Start. Bei Großveranstaltungen erweisen sich auch die Teilnehmer aus Japan, wo es sogar eigene Schulen für das Erlernen dieser Sportart gibt, als harte Konkurrenz.

Gerlach hört in Hochform auf

In der vergangenen Saison dominierte die Österreicherin Jacqueline Gerlach den Weltcup der Damen nach Belieben. Schlussendlich kürte sie sich mit fast doppelt so vielen Punkten wie die Zweitplatzierte zur Gesamtweltcupsiegerin. Dennoch beendet die erst 29-Jährige ihre Karriere: „Es ist eine Randsportart und finanziell sehr schwierig. Ich gehe jetzt auf die 30 zu und möchte mir beruflich etwas aufbauen“, sagt die Salzburgerin. Zu den größten Erfolgen ihrer Karriere zählen die beiden Weltmeistertitel bei der Heim-WM 2017 in Kaprun. Im August 2019 ging die FIS Grasski-WM in Marbachegg (Schweiz) über die Bühne. Eine Goldmedaille blieb den österreichischen Fahrern zwar verwehrt, dennoch eroberten sie insgesamt beachtliche sechs Medaillen.

Die Grasski-Ikone

Einen Legenden-Status im Grasskifahren hat sich inzwischen Ingrid Hirschhofer erarbeitet. Mit ihren 56 Jahren mischt die Niederösterreicherin immer noch im Spitzenfeld mit und ihre bisherigen Erfolge können sich wahrlich sehen lassen. Sie ist 95-fache Österreichische Meisterin, 22-fache Weltmeisterin und 16-fache Europameisterin.

Die neue Saison hätte ursprünglich am 29. Mai 2020 mit dem Weltcuprennen in Schwarzenbach (Oberösterreich) eröffnet werden sollen. Jedoch müssen vorerst alle Grasski-Veranstaltungen bis Ende Juni aufgrund des Coronavirus abgesagt werden. Auch Anfänger können sich am Grasskifahren versuchen. Bei den der Weltcupstation in Rettenbach wird zum Beispiel ein Schnupperkurs angeboten.

Schnupperkurs in Rettenbach
Grasski-Trainingsanlagen in Österreich