Catch as catch can- Frauen im Wrestlingsport

Die ersten Wrestlerinnen sorgten vor über siebzig Jahren für Aufsehen in Österreich. Trotz großer Begeisterung bei den Zusehern verschwanden sie bald wieder von der Bildfläche. Seit ein paar Jahren sind sie wieder da, doch heute arbeiten sie im Untergrund.

Alle Augen sind fest auf die beiden Akteurinnen in dem durch grelles Scheinwerferlicht erleuchteten Ring gerichtet. Fast ekstatisch wird jede Bewegung durch das Publikum quittiert. Undefinierbare Rufe und Schreie, ein Gewirr von Stimmen erfüllt den Raum. Plötzlich sticht eine Stimme klar aus dem undefinierbaren Rauschen hervor: „Drucks zsamm auf Halsweiten Null.“

Am 18. Juni 1949 fand in einem Wiener Zirkus ein Wettkampf der besonderen Art statt. Begleitet von Protesten, aber auch unter großem Publikumsinteresse, wurde das erste Damen-Freistilringen auf dem bis dahin nur den Männern vorbehaltenen Terrain ausgetragen.

Zwei Frauen beim Wrestling in Wien 1949
Das Damen-Freistilringen sorgte 1949 in Wien für viel Aufsehen. (Bild: Weltpresse 20.6.1949)

Das Freistilringen, oder auch Catchen der Frauen, erfreute sich damals in unserem Nachbarland Ungarn schon großer Beliebtheit. In Österreich betraten die Damen aber sportliches Neuland. Schon im Vorfeld bildete sich eine Koalition aus Gegnern dieser, speziell, wenn sie von Frauen ausgeführt wird, rohen Sportart. Große Sorge bestand, ob sich Ringkämpfe von Damen mit den Geboten der Ethik und Ästhetik vertragen. Angehörige des katholischen Jugendwerks Österreich schreckten nicht einmal vor dem Werfen von Stinkbomben zurück, um das Wiener Publikum von der Veranstaltung fernzuhalten. Auch das Einbringen einer Resolution beim Wiener Bürgermeister gegen das Spektakel blieb ohne Erfolg. Das Publikum, das natürlich nur kam, um sich von der Verwerflichkeit des Ringens der „Unholden“ persönlich zu überzeugen, war aber begeistert. Zeitgenössischen Berichten zu Folge verliehen speziell die Besucher auf den billigen Rängen durch ihre Zwischenrufe der Veranstaltung erst die richtige Würze.

Wie bei den starken Männern am Heumarkt gingen die Kämpfe über drei Runden von je sieben Minuten, die Entscheidungskämpfe dauerten etwa eine Stunde. Auch unter den ringenden Damen gab es damals schon Spezialistinnen, zum Beispiel eine Sportlerin, die akrobatische Sprünge vollführt. Die schwerste Mitwirkende wog 80 Kilogramm. Alle erklären, sie seien Berufsringerinnen geworden, weil sie in ihren bürgerlichen Berufen keine Stellung finden konnten. „Unter den Ringerinnen fand man liebliche Mädchen und holde Frauen – das Holde aber schwindet, sobald sie während des Ringens in Rage geraten.“ So beschrieb es ein Reporter vor mehr als siebzig Jahren.

Die Wrestlerin Thekla bei einem Wettkampf in Osaka
Thekla aus Wien im März 2021, bei Ice Ribbon Osaka. (Bild: Wikimedia/CC BY-SA 4.0/Yoccy441)

Dem Freistilringen der Damen war kein langer Erfolg gegönnt. Nach zahlreichen Protestaktionen und daraus resultierenden Absagen, verschwanden die starken Damen bald wieder und überließen den Ring den Herren. 1997 wurde das letzte Turnier am Heumarkt ausgerichtet. Danach verschwand das legendäre Kampfspektakel endgültig.

Aber nicht für immer. Heute sind sie wieder da, wenn auch im Untergrund. Gesellschaftlich stellt ihr Sport keinen Tabubruch mehr dar, obwohl sich auch heute noch die Geister scheiden, ob der Sport gefällt oder nicht. Gekämpft wird heute unter anderem im Weberknecht, einem Kellerlokal in Wien. Die Disziplin nennt sich Underground-Wrestling. Im Gegensatz zum amerikanischen Wrestling gibt es keinen Ring. Deshalb gibt es auch keine akrobatischen Attacken von den Seilen aus. Es gibt keine Gewichtsklassen, deshalb müssen leichtere Kämpferinnen ihre körperliche Unterlegenheit durch spezielle Techniken wettmachen. Organisiert sind die Wrestler in einem internationalen Verband WUW – World Underground Wrestling mit der Zentrale in Japan und Zweigstellen in Thailand, Nepal, Spanien, Nigeria, Frankreich, USA, Kanada, Australien, Belgien, Sri Lanka und Österreich.

Big in Japan

Eine Meisterin des Fachs ist die Wrestlerin Thekla. Die Wienerin, die auch über einen akademischen Abschluss an der renommierten Universität für angewandte Kunst Wien, verfügt, gehört nicht nur in Österreich zu den besten Untergrund Wrestlerinnen, sie ist auch Gewinnerin des Triangle Ribbon Championship, der japanischen Ice Ribbon Wrestling Liga.

Wer Thekla oder ihre Kollegen von der WUW live sehen will, hat dazu am 7. November in Wien Gelegenheit.
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