Aufgeben war nie eine Option!“ – 4800 Kilometer im Ruderboot über das Meer

Wolfgang „Dewey“ Fankhauser ist als erster Österreicher über den Atlantik gerudert. Fast zwei Monate war der Extremsportler alleine auf einem Ruderboot unterwegs. Wind, Wetter und die Einsamkeit haben ihn an sein Limit gebracht. Am Ende hat er sein sportliches Ziel erreicht und schmiedet schon Pläne für neue Abenteuer.

La Gomera ist eine schöne Insel. Sie ist die zweitkleinste der sieben Kanarischen Hauptinseln. Sie ist vulkanischen Ursprungs und gilt wegen ihrer atemberaubenden Vegetation als Urlaubsgeheimtipp. Antigua ist auch eine schöne Insel. Die Insel ist von Korallenriffen umringt und für ihre vielen Sandstrände bekannt. Was zwischen diesen beiden Inseln liegt ist vor allem Wasser. Um genau zu sein, der Atlantische Ozean. Wenn man eine Leine zwischen diesen beiden Inseln spannen will, muss diese immerhin 4800 km lang sein. Keine Distanz die man normalerweise mit einem Ruderboot zurücklegt.

Ein Österreicher hat dies aber doch getan. Der vierzigjährige Salzburger, Wolfgang „Dewey“ Fankhauser hat die Strecke zwischen La Gomora und Antigua, im Alleingang mit einem Ruderboot gemeistert. 57 Tage, 13 Stunden und 49 Minuten war er unterwegs.

Talisker Whsiky Atlantic Challenge (TWAC)

1997 ruft der schottische Segler und Ruderer Sir Charles „Chay“ Blyth eine Ruderregatta von Teneriffa nach Barbados ins Leben. 30 Teams gehen beim ersten Rennen, das damals „Port St. Charles, Barbados Atlantic Rowing Race“ heißt, an den Start. 2015 nimmt Wolfgang Fankhauser auf einem von zwei Supportbooten, an der inzwischen auf Talisker Whsiky Atlantic Challenge umbenannten Veranstaltung, teil. Der Gedanke, selber dieses Ruderrennen zu bestreiten, lässt ihn nicht mehr los. Am 12. Dezember 2019, kurz vor Weihnachten ist es dann soweit. 103 Teilnehmer, 88 Männer und 15 Frauen aus zehn Ländern, starten die TWAC 2019. Gestartet wird in den Klassen Einzel, Paar, Trio, Vierer und Fünfer. Fankhauser startet alleine.

Wolfgang “Dewey” Fankhauser bei seiner Ankunft auf Antigua. (Bild: W. Fankhauser)

„Man realisiert sehr schnell, dass man wirklich auf sich allein gestellt ist,“ sagt er „gesundheitliche und technische Probleme kann man nur selbst lösen!“ Während der Atlantiküberquerung dokumentieren die Teams laufend ihren Alltag über soziale Medien und Homepages. So können Familienangehörige, Sponsoren und Fans immer bei ihren Athleten sein. Auch Wolfgang Fankhauser teilt seine Erlebnisse fast in Echtzeit. Am Weihnachtsabend hadert er mit seinem Schicksal. Er ist deprimiert, hat das Gefühl nicht vom Fleck zu kommen. Er sagt sich immer wieder „Aufgeben ist keine Option!“ Mit seinem Schicksal versöhnen ihn die vielen schönen Momente seiner Fahrt. „Das Wildlife – die vielen Tiere, Wale, Haie und Delphine, die mich immer wieder ein Stück lang begleitet haben“ und „die tollen Nächte mit unzähligen Sternen“ sagt der Extremsportler.

Leben am Limit

Das Rennen verlangt den Athleten alles ab. Das Leben läuft im 2-Studen-Rhythmus ab. Zwei Stunden wird gerudert, zwei Stunden wird pausiert. Gegessen wird während dem gesamten Rennen nur Expedition Food – hochkalorienreiches, gefriergetrocknetes Essen, dass mit Wasser zubereitet wird. Das Wasser wird mithilfe eines Watermakers, der das Meerwasser entsalzt, gewonnen. Ein Autopilot hält das Boot auf Kurs, wenn der Ruderer gerade pausiert. Große mentale Stärke ist gerade von den Solo-Ruderern gefordert, um mit dem Alleinsein zurecht zu kommen. „Ich habe es mir nicht so schlimm vorgestellt. Am Anfang war die Einsamkeit doch schlimm, aber es gab genauso Momente in denen ich es genossen habe“, sagt Fankhauser. Kontakt zu anderen Booten gibt es während der Challenge kaum.

Erschöpft, aber glücklich erreicht der Extremsportler, nach fast zwei Monaten, das Ziel. (Bild: W. Fankhauser)

Eine einzigartige Erfahrung

Nach 57 Tagen, 13 Stunden und 49 Minuten kommt Wolfgang Fankhauser in Nelson’s Dockyard, English Harbour, auf Antigua an. 4800 Kilometer und 1,5 Millionen Ruderschläge von seinem Ausganspunkt auf La Gomera entfernt. Er ist geistig und körperlich an sein Limit gegangen. Auf die Frage, ob er die Challenge noch einmal machen würde sagt er: „Nicht mehr Solo, möglicherweise im Team.“ Er ist glücklich, dass er es alleine geschafft hat, denn: „Die Erfahrung war einzigartig!“

Sein nächstes Projekt führt den Extremsportler in die Sahara, genaueres erfahren wir hoffentlich bald auf seiner Homepage https://d73000miles.com/ und in den Sozialen Netzwerken.