Wir sollten den Schwimmsport beliebt machen

Otto Wahles Leben begann in Wien und endete in New York. Sein großes sportliches Talent öffnete ihm die weite Welt. Zweimal nahm er als aktiver Schwimmer bei den Olympischen Spielen Teil. Mit 22 Jahren beschließt er nach Amerika auszuwandern und wird dort zu einem der größten Wachstumsmotoren des Schwimmsportes.

Otto Wahle wurde 1879 in Wien geboren. Mit 17 Jahren kürte er sich zum ersten Mal zum österreichischen Meister über 100 Meter Freistil. Ein Jahr später, im Jahr 1897, wurde er sogar deutscher Meister im 100 Meter Freistil. Im Alter von nur 20 Jahren nahm an drei Disziplinen bei den Olympischen Sommerspielen 1900 in Paris teil. Beim 200 Meter Freistil-Bewerb, gelang es ihm seinen ersten Lauf noch zu gewinnen, im Finale verzichtet er jedoch auf den Start und wurde disqualifiziert. Besser erging es im beim Bewerb über 1000 Meter Freistil. Die Strecke wurde in der Seine, ohne Wende, flussabwärts geschwommen. Mit einer Zeit von 14:53,6, erreichte Wahle als zweiter, hinter dem Briten John Arthur Jarvis, das Ziel. Als dritte und letzte Disziplin stand das 200 Meter Hindernisschwimmen für den Athleten am Programm. Bei dieser Disziplin war neben der schwimmerischen Fähigkeit auch ein gewisses Talent beim Klettern und Tauchen gefragt. Die Schwimmer mussten eine Stange und ein Boot überklettern sowie unter einem Boot durch tauchen. Knappe 1,6 Sekunden fehlten ihm am Ende auf den Sieg. Der Australier Frederick Lane gewann Gold vor Wahle.

Die Athleten mussen beim Hindernisschwimmen in der Seine nicht nur schwimmen, sondern auch über Boote klettern.

Im Folgejahr zog er nach New York City und wurde vom New Yorker Athletic Club aufgenommen. Dieser war, nach dem Vorbild eines traditionellen britischen Gentlemen’s Club organisiert. 1868 gegründet, war er auch einer der ältesten und erfolgreichsten amerikanischen Sportvereine.

1904 fanden die nächsten Olympischen Sommerspielen in St. Louis, Missouri, statt. Wahle war wieder dabei. Auch diesmal ging er in drei Disziplinen an den Start. Das Glück war ihm diesem Mal aber nicht so hold. Beim 1 Meile Freistil-Bewerb belegte er den vierten Platz und über 880 Yards wurde er nur Fünfter. Besser lief es über 440 Yards. Er errang hinter den beiden Amerikanern, Charles Daniels und Francis Gailey, die Bronzemedaille.

1906 wurde Wahle amerikanischer Staatsbürger. Schon in seinen frühen Jahren in Österreich, wurde ihm ein didaktisches Talent attestiert und so war es nur logisch, dass er auch in den Vereinigten Staaten als Trainer Erfolge feiern konnte. So wurde er Coach der amerikanischen Schwimm-Mannschaft für die Olympischen Sommerspiele 1912, wo er auch den späteren General George S. Patton Jr. für die Schwimmwettkämpfe im Fünfkampf trainierte. Bei den Olympischen Sommerspielen 1920 und 1924 war er der Trainer der amerikanischen Wasserball-Mannschaft.

„We should have a popularization of swimming here“

Otto Wahle

Wahle spielte eine wichtige Rolle beim Wachstum des Schwimmens als Wettkampfsportart in den Vereinigten Staaten. „We should have a popularization of swimming here,“ lautete der Appell an seine Landsleute. Er war davon überzeugt, dass es für den Schwimmsport viel wichtiger ist beliebt zu sein, als nur auf die Ausbildung weniger guter Athleten zu setzten. Er engagierte sich für den Bau von öffentlichen Schwimmbädern und verfasste zahlreiche Regelwerke.

1963 verstarb er in seiner neuen Heimat, New York. Sein Wirken für den Sport wurde mit der Aufnahme in Ruhmeshalle des internationalen Schwimmsportes, der International Swimming Hall of Fame (ISHOF), in Fort Lauderdale, im Jahr 1968 post mortem gewürdigt.