What’s next? Das Leben danach – und davor

Selbst Bilderbuch-Karrieren enden einmal. Mit der richtigen Zielorientierung und Zielformulierung kann man viel erreichen. Coaching hilft den Athleten dabei die richtige Balance zwischen Sport und Karriere zu schaffen, um auch nach der Zeit als Spitzensportler, nicht in ein mentales Loch zu fallen.

Von Philipp Nägele

Jetzt ist es passiert: Die nächste große Sportlerin sagt „Danke und Adieu“. Anna Veith hat letzte Woche Ihren Rücktritt aus dem aktiven Profi-Sport bekannt gegeben. Eine großartige Karriere mit vielen Up’s und Down’s geht zu Ende. Sie reiht sich in die Hall of Fame der österreichischen Top-Athleten ein. Man könnte sagen, sie hatte eine Bilderbuch-Karriere: einen tollen Aufstieg aus Stams in den Weltcup, Siege und Podiums bei allen möglichen Wettkämpfen. Der Traum eines jeden Sportlers. Sie selbst drückte es im Abschiedsinterview so aus, dass viel Schweiß, Blut und Tränen dabei waren. So ist der Sport. Wer nach oben will, der wird keine Abkürzung brauchen. Der geht den ganzen Weg. Individuell, mit viel Training und viel Überwindung, durch bis an die Spitze.

Es bedarf einer gewissen Zielorientierung, Zielformulierung, Step by Step, mit kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen.

Anhand von Veiths Karriere kann man eines wunderbar erkennen: Es bedarf einer gewissen Zielorientierung, Zielformulierung, Step by Step, mit kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen. Und das ist manchmal ein Problem. Nicht nur die Findung der Ziele und Zwischenziele, sondern vor allem die richtigen Schritte, in Richtung Profi und an die Spitze.

Inografik SMART Zieldefiniton

Viele von Euch kennen die Zielfindung und Benennung nach der SMART-Methode. Ein Ziel muss SPEZIFISCH sein, ganz genau beschrieben. Das Ziel muss MESSBAR sein. Im Verlauf muss man erkennen können und klar messen können – ob erreicht oder nicht – ob die gesetzten Zwischenziele auch erreicht wurden. ACHIEVABLE: die Ziele müssen erreichbar sein. Klingt logisch, aber wichtig dabei ist, dass die Ziele tatsächlich hart zu erreichen sind. Denn nur ein Ziel, das gefühlt großartig ist, besitzt die Kraft der Anziehung. So muss das Ziel auch RELEVANT sein: im Einklang mit sich selbst, seinen Werten, seinen Bedürfnissen. Und es braucht den TIMEFRAME, den Zeitrahmen, wann und somit auch wie diese Ziele erreicht werden können.

Und genau diese Zielorientierung ist oftmals ein Problem. Aber sie kann auch wunderschön sein. Eine meiner ersten Athletinnen die ich längerfristig begleiten durfte, war eine Volleyballerin. Sie fand den Weg zu mir aufgrund von Nervosität im Wettkampf. Zuerst arbeiteten wir an diesem Thema. Jedoch schnell kristallisierte sich heraus, dass es noch mehr für sie in diesem Sport gibt. Sie wollte in ihrem Spiel facettenreicher werden. Später wollte Sie den Sprung in die erste österreichische Liga schaffen, und somit Profi werden. Und Sie wollte zur Führungsspielerin werden, zur Führungspersönlichkeit, später in ihrer Karriere. All diese Schritte haben wir gemacht, und auch erreicht. Durch eine gute Zielorientierung, die richtigen Schritte, den Willen und entsprechendes mentales Training.

Mir ist noch eines sehr wichtig: die Balance der sportlichen Karriere und dem restlichen Leben, oder besser gesagt: über (und nach) den Sport hinaus! Leider sehen wir immer wieder Spitzensportler, die nach der Profikarriere wahre Lebens-Löcher und große Krisen haben. Natürlich opfert man am Weg nach oben sehr viel, und Sport steht in vielen Belangen an erster Stelle. Er sollte aber nicht immer nur an erster Stelle stehen. Ein solides Fundament an Familie, Freunden, anderen Hobbies, anderen Interessen muss für einen Spitzensportler aus vielerlei Hinsicht ebenfalls im Blickfeld sein. Und genau hier hilft Coaching voll und ganz. Denn was sich im Außen zeigt – während und nach der Karriere, in Form von Erfolgen oder Krisen – ist die Arbeit, die Innen stattfindet. So helfen die mentalen Werkzeuge nicht nur während der Karriere, sondern weit darüber hinaus. Dann kommt die Frage nach „What’s next?“ nach der Karriere nicht so plötzlich und wirft einen aus der Bahn.