Sportwissenschaften – den Zielen einen Weg bereiten

Körperliche Stärke und Trainingswille alleine reichen schon lange nicht mehr aus, um an die internationale Spitze zu kommen. Sportwissenschaften, Sportmedizin und Sporttechnologie dienen der Leistungssteigerung der Sportlerinnen und Sportler. Durch eine koordinierte Förderung werden Erfolge erzielt.

Von Univ.Prof. Dr. Hans Tilscher

Die Abteilung II/B/6 der Sportsektion im Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) ist die verantwortliche Förderabteilung für die Bereiche Sportwissenschaften, Sportmedizin und Sporttechnologie. Hier werden alle Angelegenheiten, welche Forschung sowie Zuträger-Leistungen für Breiten- und Spitzensport betreffen, insbesondere in Form von Fördervergaben und Beauftragung von bedarfsorientierten Studien und Projekten bearbeitet.

Die Arbeitsbereiche der Abteilung lassen sich charakteristisch in drei Gruppen unterteilen:

  1. Förderungen, deren Auftrag sich unmittelbar aus dem Bundes-Sportfördergesetz (BSFG 2017) ableitet, wie zum Beispiel die Bereiche der Nationalen Anti Doping Agentur „NADA“ oder der Bundes-Sporteinrichtungen GmbH (Erhaltung und Ausbau von bundesweiten Sport-Infrastrukturen).
  2. Förderungen von Forschungsprojekten, welche durch namhafte Institutionen wie das Forschungslaboratorium Seibersdorf oder den österreichischen Institutsfonds für Sportmedizin (ÖISM) getätigt werden.
  3. Innovative Projekte mit technologischem oder wissenschaftlichem Hintergrund, die unmittelbar in den Sport in seinen unterschiedlichsten Facetten und Leistungsstufen einfließen.

Insbesondere dieser dritte Bereich zeigt sehr deutlich die vielfältigen Dimensionen des sportwissenschaftlichen „Überbaus“ jeglicher gezielter Sport-Aktivität auf.

Beispiele innovativer Projekte

  • Technologie-Projekte, deren Output unmittelbare Erfolge im absoluten Spitzensport ermöglicht
  • Personal- und Infrastrukturförderungen, die an den Olympia-Stützpunkten des ÖOC ebenso wie im Bundesinstitut Leistungssport Austria (letztere einer 100% Tochter des Bundes) wirksam werden
  • Projekte, welche dem, im Gesetz verankerten Auftrag zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Sport nachkommen und somit dem Sport in seiner gesellschaftlichen Verantwortung Aufwertung und Stabilität sichern
  • Projekte, in Rahmen derer unterschiedlichste Alters- und Zielgruppen wissenschaftlich begleitet bei der Ausübung von Sportarten betreut werden.

Zukünftig möchte die Abteilung daher in regelmäßigen Abständen im Bundes-Sportmagazin die unterschiedlichen Fördernehmer und ihre Leistungen für den österreichischen Sport darstellen.

Das Projekt Personalförderung Olympiazentren

Am Beispiel des Projekts „Personalförderung Olympiazentren“, welches vor 2 Jahren ins Leben gerufen wurde, kann deutlich gezeigt werden, wie effektive, wertschöpfende und mit höchster Qualität abgesicherte Sportförderung durch den Bund funktionieren kann und insbesondere, wo Synergien zwischen den scheinbaren Gegensätzen von „Wissenschaft“ und „Praxis“ zum (un-)mittelbaren Erfolg führen können:

Körperliche Stärken und Trainingswille alleine reichen schon lange nicht mehr aus, um an die internationale Spitze zu kommen. Sich optimal und unter möglichst perfekten Bedingungen vorzubereiten bedeutet auch, sich auf ein höchst professionelles Trainings- und Betreuungsumfeld verlassen zu können.

Und dieses wird wesentlich auch durch wissenschaftliche und medizinische Betreuung ermöglicht, welche zum größten Teil durch die Olympiazentren selbst und das ÖOC bewältigt werden.

Aber nur dann, wenn die Zusammenarbeit aller beteiligten Partner im Umfeld des Leistungssportlers optimal ist und Synergien geschaffen werden, kann Weltklasse-Niveau erreicht und erhalten werden.

Dazu leistet das Sportministerium nunmehr einen Beitrag in Form von gezielter Personalförderung in den Bereichen Sportwissenschaften und Rehabilitation (Physiotherapie, Massage).

Während die unmittelbare Leistungssportförderung schon lange fester und wichtiger Bestandteil der Sportförderung und im Bewusstsein der Sportwelt verankert ist, musste die wissenschaftliche Komponente, die perfekte Planung, Steuerung und Weiterentwicklung ermöglicht, meist eher ein Schattendasein führen oder wurde als selbstverständliche, reine Aufgabe der Betreuungseinrichtungen vor Ort verstanden.

Mit der Neustrukturierung des Sportministeriums findet nun auch die sportwissenschaftliche und medizinische Förderleistung jenen systemischen Stellenwert, den sie international bereits seit Jahrzehnten hat.

Damit diese Unterstützung auch gelingt -und damit nicht zuletzt die staatlichen Investitionen in diesem Bereich auch gerechtfertigt werden können- bedarf es einer engen Kooperation mit den Fördernehmern auf fachlicher Augenhöhe.

Die Abteilung „Sportwissenschaften, Sportmedizin, Sporttechnologie“ kann daher auch auf ein Team zurückgreifen, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich vor der beruflichen Laufbahn im Bundesdienst auch als Sportwissenschafter, Biologen und erfahrene Trainer qualifiziert haben, fast alle mit einem eigenen leistungssportlichen Hintergrund. So kann fachkompetent beurteilt werden, wo und wie Fördermittel zweckoptimiert einsetzbar sind.

Im dritten Jahr der Projektförderung Olympiazentren, dem Jahr der olympischen Spiele in Tokyo ist der Blick natürlich auf dieses Großereignis selbst, aber auch in die Zukunft gerichtet.

An die Spitze ist es ein langer Weg, der Begleitung braucht. – Im eigentlichen Zentrum des sportlichen Geschehens durch die professionellen Strukturen vor Ort, aber auch auf staatlicher Ebene durch verlässliche, fachkompetente Partner.

Daran mitzuwirken ist Auftrag und Motivation der Sportsektion und ihrer Abteilungen.