„Rennfahren ist mein Leben“

Mit dem 18-jährigen Lukas Dunner hat Österreich ein vielversprechendes Motorsporttalent, das in den Startlöchern auf dem Weg zu einer großen Karriere im Formel-Sport steht. Dank einer überzeugenden Saison mit sechs Podiumsplätzen in der „Euroformula Open“ hat er den Sprung in die Formel 3 geschafft und kann sich damit in den nächsten Jahren für die Königsklasse – die Formel 1 – empfehlen. Wir haben uns mit dem Wiener unterhalten. (Titelbild © Sebastiaan Rozendaal / Dutch Photo Agency)

Wie bist du zum Motorsport gekommen?

Mit ungefähr drei oder vier Jahren habe ich mit dem Motocross begonnen, da mein Vater früher leidenschaftlicher Motocross- und Motorradfahrer war. Aufgrund vieler Unfälle fühlte ich mich aber nicht mehr allzu wohl und im Alter von etwa sechs Jahren wechselte ich zum Kartsport. Am Anfang fuhr ich jedes Wochenende mit meinem Vater, der mich seit meiner Kindheit immer auf meinem Weg unterstützt, in der Speedworld in Bruck an der Leitha. Aus einem Hobby wurde eine Leidenschaft und nachdem ich meine ersten Rennen erfolgreich bestritten hatte, wusste ich, dass Motorsport das ist, was ich liebe und mich ausmacht.

Was war dein bisher größter Erfolg in deiner noch jungen Karriere?

Mein größter Erfolg war das gesamte letzte Jahr in der „Euroformula Open“, wo ich mich sehr gut entwickeln konnte. Am Ende belegten wir (Anm. Team „Teo Martín Motorsport“) den 3. Platz in der sehr gut besetzten Meisterschaft. Im Großen und Ganzen war das Jahr sehr erfolgreich für mich.

Du hast dieses Jahr ein Cockpit in der Formel 3 (Anm. dritthöchste Formel-Klasse nach der Formel 2 und Formel 1) für das Team MP-Motorsport ergattert. Vorausgesetzt es finden in diesem Jahr noch Rennen statt, wie sehen deine Ziele aus?

Falls noch gefahren wird, will ich in jedem Rennen alles Mögliche rausholen und mich weiterentwickeln. Top 10- und 15-Plätze wären für uns sehr gut, ein Podium umso besser. Es ist eine sehr schwierige Meisterschaft, weil das Fahrerfeld aus vielen erfahrenen Piloten besteht, die ihr Auto, die Reifen und die Strecken sehr gut kennen.

In dieser Saison wird Lukas Dunner im Formel-3-Boliden seine Runden drehen. © Sebastiaan Rozendaal / Dutch Photo Agency

Hast du eine Lieblingsstrecke?

Ehrlich gesagt nicht, aber wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, dann würde ich den Red Bull Ring in Spielberg auswählen. Es ist eine tolle Strecke, noch dazu in meiner Heimat und die Kulisse ist unglaublich.

Hast du ein Vorbild?

Im Formelsport habe ich gleich mehrere: Niki Lauda, Ayrton Senna und Lewis Hamilton. Da Niki mit NOVOMATIC den gleichen Sponsor wie ich hatte, waren gelegentliche Treffen möglich. Leider konnte ich Ayrton Senna und Niki Lauda nie live im Rennwagen beobachten, dafür bin ich zu jung, aber ich verpasse keinen Film und keine Dokumentation über sie.

Wie kommst du damit zurecht, dass du durch das viele Reisen nur selten zu Hause bist?

Wir Rennfahrer leben ein bisschen wie in einem „Tunnel“. Wir haben wenig Zeit zum Nachdenken, sind ständig unterwegs und haben ein intensives Training. In den letzten Jahren hatte ich eher wenig Freizeit, aber das Rennfahren ist mein Leben und das, was ich liebe und gerne mache.

Was macht Lukas Dunner, wenn er nicht im Rennauto sitzt?

Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie, meiner Freundin und meinen Freunden. Am Liebsten bin ich in den Bergen. Dort kann ich mich entspannen, abschalten, laufen gehen und die Natur genießen. Wenn die Zeit da ist, gehe ich auch sehr gerne golfen.

Legst du den ganzen Fokus auf den Motorsport, oder gibt es auch einen „Plan-B“?

Für mich gibt es zurzeit nur den Rennsport und ich beschäftige mich derzeit noch nicht mit einem “Plan-B”. Jedenfalls mache ich gerade meinen Abschluss an der Handelsschule in der Südstadt.

Wann hast du den Führerschein gemacht und welches Auto fährst du privat?

Den Führerschein habe ich letztes Jahr am 13.03.2019 gemacht, aber ich war bereits mit 15 Jahren auf der Straße mit dem „L17“ unterwegs. Das klingt jetzt vielleicht etwas komisch, aber ich fahre zurzeit privat einen Geländewagen – den Mercedes G 63.

Wie bereitest du dich auf ein Rennen vor?

Das Training wird vor jedem Rennen spezifisch angepasst. Damit der Körper die anstrengenden Wochenenden gut durchsteht, gibt es vermehrt Massagen und Physiotherapien. Vor jedem Rennen nutze ich den Simulator von „AVL“, wo ich seit Februar Mitglied des „Young Driver Program“ bin. Von meinem Team erhalte ich alle hilfreichen Informationen für das Rennwochenende und ich stehe auch im Austausch mit meinem Ingenieur.

Du hast den Simulator angesprochen, was genau kann man sich darunter vorstellen?

Im Formel-Sport darf man während der Saison nicht auf den Rennstrecken des Kalenders testen. Daher nutzen wir den Simulator, der das Fahrerlebnis möglichst realistisch darstellen soll. Wir trainieren auf den Strecken des Rennkalenders und können verschiedene Abläufe durchgehen und Diverses testen. Vor einem Rennwochenende ist der Ingenieur meistens dabei, um Erfahrungen und Informationen zu sammeln.

Im Simulator bereiten sich Motorsportler auf ein Rennwochenende vor. © 1stMILE Talent Promotion

Wie hältst du dich aktuell fit und was hat sich durch das Coronavirus geändert?

Ich trainiere derzeit täglich zweimal in der Halle meines Vaters in Sollenau, wo auch mein Simulator steht, den ich laufend nutze. Am Vormittag arbeite ich an der Ausdauer und am Nachmittag steht eine Kraft- oder Kraftausdauer-Einheit am Programm. In der jetzigen Situation habe ich eindeutig mehr Zeit als sonst und die nutze ich auch aus, um noch mehr zu trainieren.

Was willst du in deiner Karriere noch erreichen?

Im Formel-Sport will ich auf jeden Fall in die Formel 1. Sie ist die Königsklasse im Motorsport und ich will mich mit den schnellsten Fahrern und Teams der Welt messen. Im Rundstreckensport würde ich gerne 24-Stunden-Rennen fahren, angefangen von „Le Mans“ bis „Daytona“. Ein Riesenziel von mir ist es auch, mit einem WRC2-Rallyeauto in Monte Carlo an den Start zu gehen.

Wir wünschen Lukas Dunner auf seinem weiteren Weg alles Gute und viel Erfolg!