Radiogymnastik für eine gute Gesundheit

Radiogymnastik hat eine lange Tradition. 30 Jahre lang turnte man in Österreich nach der Anleitung von Ilse Buck. In Japan nennt man diesen Sport Rajio Taiso. Täglich finden sich dort Menschen zum gemeinschaftlichen Morgensport zusammen. Auch der deutsche Judo-Bund hat Taiso für sich entdeckt.

Die Vorturnerin der Nation: Ilse Buck (Bundesarchiv, Bild 183-37600-0008 / CC-BY-SA 3.0).

„Damit sie sich noch lange guter Gesundheit erfreuen können, beginnen sie ihren Tag mit gezielter Bewegung“, so tönte es jeden Morgen aus dem Radio, wenn Ilse Buck zur morgendlichen Gymnastik rief. Der Name Ilse Buck ist den Älteren unter uns noch ein Begriff. Mehr als dreißig Jahre animierte sie Österreich mit ihrer Radiogymnastik zum sportlichen Einstieg in den Tag. Die Sendung erfreute sich großer Beliebtheit und Ilse Buck trug bald den Ehrentitel „Vorturnerin der Nation“. 1998 wurde die Sendung vorerst zum letzten Mal übertragen. Während die Coronakrise für manchen Sportler das „Aus“ bedeutete, erlebte die Radiogymnastik ein Revival. Der Radiosender Ö1, auf dem die Morgengymnastik mit Ilse Buck schon von 1965 bis 1998 ausgestrahlt wurde, holte die Sendung aus dem Archiv. So konnte wir, in Zeiten der Ausgangsbeschränkung, wieder einmal mit der Vorturnerin der Nation aufstehen.

Mehr als neunzig Jahre Radiogymnastik in Japan

Nicht nur in Österreich hat das Turnen vor dem Radio eine lange Tradition. In Japan wird seit 1928 nach Anweisungen aus dem Radio geturnt. Anders als in Österreich, wo meist im Wohnzimmer geturnt wurde, findet in Japan das morgendliche Turnen oft im Kollektiv statt. Wer am frühen Morgen in Japan unterwegs ist, hat eventuell schon einmal vor einem Unternehmen oder einer Schule die ein oder andere Gruppe bei der Morgengymnastik gesehen. Täglich, um 6 Uhr 25, strahlt der staatliche japanische Rundfunk NHK Übungen zum Mitmachen aus. Rajio Taiso – wie die Radiogymnastik in Japan genannt wird, hat sich aus der Zeit des Radios, in die multimediale Gegenwart retten können. Heute wird im Fernsehen bzw. über das Internet vorgeturnt. Die Einheiten dauern jeweils drei Minuten. Zwei Choreografien wechseln sich täglich ab. Am Sonntag gibt es beide zu sehen. Begleitet wird die Turneinheit durch klassische Klaviermusik und einer im Rhythmus der Übungen gehaltenen, etwas streng klingenden, Übungsanleitung.

Menschengruppe bei der Morgengymnastik
Eine Gruppe von Menschen beim Rajio Taiso in einem Park in Tokyo.

Taiso als viertes Element des Judos

Der deutsche Judo-Bund hat, beschleunigt durch die Coronakrise, Taiso zum vierten Element des Judos auserkoren. Taiso soll die drei Methoden Kata, Randori und Shiai ergänzen. Taiso wird hier als allumfassende Körperschulung gesehen, die nicht nur die physische Stärkung des Körpers meint, sondern parallel die Stärkung des Geistes. Eine ideale Bewegungsform, um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Ziel ist es auch neue Mitglieder damit anzusprechen. Das Training richtet sich aber nicht nur an Anfänger. Es ist auch ein gutes Basistraining für Spitzenjudoka. Taiso lässt sich gut mit einer Gruppe ohne Kontakt im Freien durchführen. Das gemeinsame Training weckt dabei sozial-emotionale Ziele, auch wenn der direkte Körperkontakt nicht möglich ist.

Screenshot Youtube zeigt einen stilisierten Judoka bei der Gymnastik
Screenshot Youtube

Video Taiso als viertes Element des Judos