No comfort Zone

Wer im Wettkampf vorne liegt hat die Möglichkeit zu agieren, wer im Hintertreffen ist muss meist reagieren. Rituale bieten einen Ausweg aus solchen Situationen. Sie bergen Ressourcen und Kraft.

Von Philipp Nägele

Im Sport kann man sagen, dass es eigentlich keine Komfortzone gibt. Natürlich versuchen Athleten immer wieder in einen Flow zu kommen. In eine Art „Komfortzone“, in der alles von alleine funktioniert. Keine Gedanken, einen klassischen „Lauf“ mit Tunnelblick. Davon spreche ich aber ein anderes Mal.

Heute sprechen wir darüber, dass man im Sport immer achtsam sein muss. Alles kann passieren, zu jeder Zeit! Änderungen sind vorprogrammiert. In meiner Studie frage ich Sportler, ob Sie lieber in Führung sind und dann durchziehen, oder lieber hinten und dann mehr Gas geben. Die bisherigen Antworten liegen deutlich bei „in Führung zu sein“. Das bedeutet auch, dass man dann besser agieren kann, wie zu reagieren. Dennoch bleibt genau dieses reagieren nicht aus und lässt einen schwer in eine Komfortzone, in einen Flow kommen.

Vor 5 Jahren arbeitet ich im mentalen Bereich mit einer Profi-Fussball-Mannschaft. Deren Athletik-Trainer war ein Profi in Life-Kinetics. Die Spieler haben es gehasst. Mit Life-Kinetics trainierst du spielerisch die Gehirnhälften. Es geht dabei sehr um Reaktionskraft und die Möglichkeit, flexibel zu agieren. Aber, es ist nicht ganz leicht. Heute verstehe ich, dass Sportler lieber agieren wie reagieren. Den Ton anzugeben ist „schöner“ für einen Athleten wie umgekehrt. Dann kann man sein Spiel spielen oder dieses sogar aufzwingen.

Was aber tun, wenn wir hinterherrennen müssen? Wenn wir im Hintertreffen sind? Unsere Rituale und Gewohnheiten können uns in diesem Fall sehr helfen. Mein Lieblingsritual und bestes Beispiel für eine Gewohnheit ist Cristiano Ronaldo. Seine Abläufe bei einem Freistoß sind immer die gleichen. Für viele ist es Angeberei und Überheblichkeit. Aber in Wahrheit tut er jedes einzelne mal dasselbe. Er nimmt gleichviel Schritte vom Ball zurück, stellt seine Beine auseinander, atmet durch und wartet auf den Pfiff. Was danach kommt kennen wir: ein Luftsprung und beide Arme werden nach hinten durchgedrückt. Das nenne ich dann feiern! Vielleicht ist das Arroganz, aber der Erfolg gibt ihm Recht. Und wem kann man es verdenken, seine Erfolge – und Tore – zu feiern?

Worum geht es den tatsächlich bei den Ritualen? Es ist ganz einfach: Sie geben uns Sicherheit! Nichts weiter, und das ist gleichzeitig auch das Wichtigste! Denn wenn wir uns sicher fühlen, haben wir gleichzeitig ein stärkeres Selbstvertrauen. Rituale bieten uns gleichzeitig die Möglichkeit, genau in diese Komfortzone und einen Flow zu kommen. Denn dabei wird versucht, die positiven Trainingsleistungen und Erlebnisse in einen Wettkampf umzusetzen. Weil ein Athlet dann genau das tut: das was im Training trainiert wurde in die Tat umzusetzen. Und in den Wettkampf umzumünzen.

Es liegt jede Menge Kraft und viele Ressourcen in den Ritualen. Oftmals haben Athleten ein paar Rituale, die Ihnen selbst nicht auffallen. Es ist sehr wichtig, diese zu finden und bewusst einzusetzen. Denn wie ich es anfangs gesagt habe: es geht um die Achtsamkeit dahinter. Dann kann ein Sportler auch effektiv und selbstbestimmt seine Ressourcen und seine Trainingsleistung nutzen. Und wer am Ende dann stark ist, einen klaren Kopf hat, Selbstvertrauen hat und Sicherheit verspürt – Sie werden mir zustimmen – der wird am Ende die Nase vorne haben.