Medaillenregen für Österreich bei der Eisstock-WM

Von 3. bis 14. März fand in Regen (Deutschland) die 13. Eisstock-Weltmeisterschaft – die „Icestock 2020“ – statt. Die österreichischen Athleten überzeugten auf ganzer Linie und eroberten nicht weniger als zwölf Medaillen.

In der ersten Woche wurde die Europa- und Weltmeisterschaft der Junioren ausgetragen. Anschließend kämpften rund 700 Eisstockschützen aus 25 Nationen um die begehrten WM-Medaillen. Darunter auch „exotische“ Winterländer, wie Brasilien, Australien, Namibia und Gabun. Gespielt wurde in der Regener Eishalle und Medaillen wurden in den Disziplinen Zielwettbewerb, Mannschaftsspiel und Weitschießen vergeben.

Triumph in allen Disziplinen

Österreich belegt mit viermal Gold, fünfmal Silber und dreimal Bronze hinter Deutschland den 2. Platz im Medaillenspiegel. In der Teamwertung des Zielwettbewerbes, wo die Schützen mit ihren Eisstöcken aufgemalte Zielpunkte anvisieren, erringen sowohl die Damen (Susanne Sohm-Armellini, Viktoria Schlapfer, Sophie Schmutzer und Simone Steiner) als auch die Herren (Matthias Taxacher, Thomas Fuchs, Mario Weingartmann und Franz Roth) die Goldmedaille. Die junge Steirerin Nina Neubacher kürt sich zur ersten Weltmeisterin im neu ausgetragenen Weitschieß-Bewerb. Gleich bei ihrem ersten Versuch gelingt ihr die Bestweite von 99,62 Metern.

Erfolg in der Königsdisziplin

Zwei Mannschaften mit jeweils vier Personen treffen im Mannschaftsspiel aufeinander. Die Spieler zielen mit ihrem Stock auf eine „Daube“ (beweglicher Gummiring mit zwölf Zentimetern Durchmesser), die auf dem 24,5 Meter entfernten Mittelkreuz liegt. Eine Partie besteht aus sechs Kehren, in der jeder Spieler eines Teams abwechselnd zum Zug kommt. Je näher die Eisstöcke im Vergleich zum Gegner liegen, desto mehr Stockpunkte erhält man. Das Mannschaftsspiel gilt in dieser Sportart als „Königsdisziplin“. Umso beachtlicher ist die Leistung von Heimo Ofner, Alfons Marktl, Patrick Solböck und Christian Hobl, die im Semifinale den großen Rivalen Deutschland ausschalten und im Endspiel Italien bezwingen. Nach 1987 und 2016 ist es für Österreich die dritte Goldene in diesem Teambewerb. Aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus blieb die Siegesfeier allerdings aus. Leider musste das Event aus Sicherheitsgründen in der zweiten Woche ohne Zuschauer stattfinden.

Zwei Eisstöcke im Einsatz. © Copyright GEPA pictures/ Hans Oberlaender

Voraussetzungen und Ausrüstung

Eisstockschießen verlangt eine Mischung aus Kondition, Konzentration, Gelassenheit und Taktik. Bowling- oder Kegelerfahrungen sind aufgrund der ähnlichen Technik von Vorteil. Der Eisstock wird mit einer Hand am Stiel aufgenommen und schwungvoll auf die Eisfläche gesetzt. Ein Eisstock-Set ist ab zirka 40 Euro zu erwerben und besteht aus einem Stockkörper aus Kunststoff oder Holz, einem Stiel und einer Laufsohle aus Gummi. Um auf dem rutschigen Eis Halt zu finden, tragen die Athleten rutschfeste Schuhe, eventuell auch mit Spikes. Im Sommer kann ebenfalls gespielt werden – anstelle des Eises dienen Beton und Asphalt als Untergrund und die Laufsohle des Stockes besteht aus Kunststoff. 

Große Popularität in Österreich

Der Eis- und Stocksport ist eine aufstrebende Sportart und gewinnt vor allem in Österreich immer mehr an Beliebtheit. Mit 108.509 aktiven Mitgliedern in 1.637 Vereinen ist der BÖE (Bund Österreichischer Eis- und Stocksportler) der viertstärkste Sport-Verband in Österreich (nach Fußball Tennis und Skifahren). Besonders die Steiermark ist „stocksportverrückt“: Im Bundesland finden sich mehr Stocksportvereine als Gemeinden. Die Sportart ist nicht nur umwelt-, sondern auch kostenfreundlich und ungefährlich. Derzeit ist die Disziplin noch nicht bei Olympia vertreten, das soll sich jedoch bald ändern: „Wir möchten den Eis- und Stocksport zu einer anerkannten, sauberen Breitensportart mit olympischem Anspruch ausbauen, der über die Grenzen hinweg verbindet und begeistert!“, so das BÖE Präsidium.