Lacrosse – rasantes Spiel mit Ball und Stick

Die amerikanischen Ureinwohner nannten es den kleinen Bruder des Krieges. Seit fast 20 Jahren wird Lacrosse in Österreich gespielt. Dabei reichen die Varianten von kontaktlos bis Vollkontakt. Beim gemeinsamen Training der beiden Wiener Damenmannschaften Cherokees und Monarchs haben wir einen Einblick in diesen rasanten Sport bekommen.

Wolken bedecken den Himmel. Ab und zu sind ein paar Regentropfen zu spüren. Kein Wetter zum in der Sonne Baden, aber auf jeden Fall zum Lacrosse Training. Es ist Freitag, 18 Uhr und wir befinden uns im Union Trendsportzentrum, im Wiener Prater. Wir begleiten die Spielerinnen der Vienna Cherokees und der Vienna Monarchs bei ihrem Training.

„Auf die Abstände achten“ ruft Adriana ihren Mitspielerinnen zu. Adriana ist Präsidentin der Vienna Cherokees und Midfield Spielerin. Sie leitet heute das Training. Seit der Coronakrise hat sich auch beim Lacrosse einiges geändert. Es wird penibel auf das Einhalten des empfohlenen Mindestabstands geachtet. Das macht auch das Matchspiel unmöglich, da dieses „schon sehr körperbetont ist“, wie es die Sportlerinnen salopp ausdrücken.

Infografik über Lacrosse

Die Spielerinnen laufen sich ein. Aufwärmen ist beim Lacrosse ein Muss. Lacrosse ist eine der schnellsten Ballsportarten der Welt. Ziel ist es, den Ball mit dem Stick, so wird der Lacrosseschläger genannt, in das gegnerische Tor zu schleudern. Beim Zuspiel erreicht der Ball eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h, bei Torschüssen bis zu 140 km/h. Trotzdem ist das Verletzungsrisiko relativ gering.

Das Lacrossespiel stammt von den Ureinwohnern Nordamerikas. Ausgetragen wurde es zwischen rivalisierenden Dörfern oder ganzen Stämmen. Die Spielerzahl konnte dabei von 100 bis zu 1000 Männern gehen. Das Spiel, auch als kleiner Bruder des Krieges bezeichnet, konnte mehrere Tage dauern. Gespielt wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die genauen Regeln wurden vor jedem Spiel zwischen den beiden Streitparteien vereinbart. Aufgrund der großen Zahl an Spielern kam es aber selten zu einem dynamischen Spiel, da sich meist eine Menschentraube um den Ball bildete. Den Ball zu passen galt als Mogelei. Einem Gegner auszuweichen wurde als Feigheit gewertet. Die Ziele des Spiels waren vielfältig. Einerseits diente es der Gewöhnung junger Krieger an den Kampf, andererseits wurden aber auch stammesinterne Streitigkeiten damit geklärt. Es wurde aber auch einfach zum Spaß gespielt. Die amerikanischen Ureinwohner kannten auch schon eine eigene Spielart für Frauenteams. Die Spielvorbereitungen waren denen des Krieges ähnlich. Es wurden Kriegsbemalungen angelegt und der Medizinmann, der auch als Trainer fungierte, unterzog Spieler und Sportgerät ritueller Handlungen.

In Nordamerika wird Lacrosse schon seit Urzeiten gespielt, bei uns in Österreich erst seit Kurzem. Heute wird es weltweit in verschieden Varianten im Freien und auch in der Halle gespielt.

„Ein gutes Schlägergefühl und schnelle Reflexe sind das A und O beim Lacrosse“

Judit, Lacrossespielerin

Die Spielerinnen stellen sich sternförmig auf. Passing-Drill ist jetzt dran. Die erste Spielerin läuft los, ein schneller Pass zu ihrer ebenfalls gestarteten vis-à-vis-Nachbarin folgt. Die nächste Spielerin läuft los. So geht der Pass reihum. Der Ball saust so schnell durch die Luft, dass der ungeübte Zuseher ihn leicht aus den Augen verliert. „Ein gutes Schlägergefühl und schnelle Reflexe sind das A und O beim Lacrosse“, sagt die Defense und Midfield-Spielerin Judit. Sie spielt schon seit mehr als zehn Jahren. Ihr Team sind die Vienna Monarchs. Die gelernte Juristin ist auch Spielerin der österreichischen Lacrosse Nationalmannschaft, mit der sie an mehreren internationalen Turnieren teilgenommen hat.

Die österreichische Lacrosse Geschichte begann 2001, mit der Gründung der Salzburg Arizonas. Es folgten 2003 die Vienna Monarchs und ein Jahr später die Vienna Cherokees. Auch im Süden des Landes begannen zwei Vereine zu dieser Zeit mit dem Lacrosse Spiel. Die Graz Gladiators und die Carinthian Cardinals. So konnte bereits 2005 der Österreichische Lacrosse Verband (ÖLaxV) gegründet werden. Im Folgejahr ergänzten noch die Wels Lions den Reigen der österreichischen Vereine.

Jetzt geht es ans Dodge-Training. Dodges helfen den Spielerinnen sich für einen Schuss zu öffnen, um einen Pass zu einer Teamkollegin zu machen, oder einen solchen zu empfangen. Die Gegenspielerinnen fehlen momentan natürlich, trotzdem führt eine Spielerin nach der anderen ihren Dodge aus. Nach Körperachsendrehungen, schnellen Wechseln des Sticks von einer zur anderen Hand, flinken Hakenschlägen und vielem mehr landen die Bälle zielgenau im Tor. Trotz dieser geübten Täuschungsmanöver sind beim Lacrosse „Fairness und teamübergreifender Sportsgeist“ am wichtigsten, sagt Adriana. Über die Einhaltung der Regeln wachen die Schiedsrichter. Es wird zwischen technischen und persönlichen Fouls unterschieden. Je nach Schwere des Regelverstoßes reicht die Strafe von einer grünen Karte (Verwarnung), über eine gelbe Karte (zwei Strafminuten), einer gelb-roten Karte (5 Strafminuten und Ausschluss vom Spiel), bis zu einer roten Karte (10 Strafminuten und Spielsperre für dieses und mindestens das nächste Spiel).

Es gibt mehrere Varianten des Lacrosse Sports. Beim besuchten Training handelt es sich um Lacrosse für Frauen. Die Männerversion des Sports unterscheidet sich äußerlich vor allem durch die Schutzausrüstung. Frauen tragen nur einen Zahnschutz und manchmal „Googles“ (Schutzbrillen). Männer tragen einen Helm und einen Körperpanzer, ähnlich dem American Football. Das liegt an der deutlich körperbetonteren Spielweise. Eine „light“ Variante des Sportes ist Intercrosse. Es wird ganz ohne Körperkontakt in gemischten Teams gespielt.

Neue Spieler sind immer willkommen

Die Wege zum Lacrosse sind vielfältig. Manche Spielerin ist durch den Film American Teenwolf, andere über das Universitätssportinstitut zu dem Sport gekommen. Welcher Weg es auch immer ist, zweimal pro Woche wird trainiert. Wer der Sport einmal ausprobieren will, schaut am besten einfach beim nächsten Training eines Vereins vorbei. Für den jungen Nachwuchs werden regelmäßig Probetrainings an den Schulen veranstaltet.

Die Spielerinnen führen ein Schlussritual durch
Ein Ritual darf am Ende des Trainings nicht fehlen.

Gegen 20 Uhr geht das Training zu Ende. Plötzlich steht ein neuer Spieler am Platz. Es ist Max. Max ist der einzige Mann im Damen Lacrosse Team der Cherokess. Heute musste er für eine Prüfung lernen, deshalb konnte er nicht mittrainieren. Trotzdem wird er von allen seinen Kolleginnen freundlich empfangen. Zum Schluss bilden die Sportlerinnen einen Kreis und halten ihre Sticks in der Mitte zusammen. Mit einem lauten Monarchs bzw. Cherokees Ruf werden die Lacrossesticks in die Höhe gerissen und das Training beendet. Nach durchaus fordernden zwei Stunden geht es nun für alle, auch für Max, zur Nachbesprechung.

Weitere Informationen
Vienna Monarchs
Vienna Cherokees
Vienna Ewoks Intercrosse