Jetzt erst recht: Neues Zeitalter im Sport nach Covid-19

Sport erzeugt Emotionen. Mit Sport lässt sich auch Geld machen. Nach der Coronakrise stellt sich die Frage, ob wir so weitermachen können wie zuvor. Geld ist wichtig, doch die wahre Essenz ist Emotion. Diese zu erleben und mit seinen Fans zu teilen, ist der Weg in ein neues Zeitalter im Sport.

Von Philipp Nägele

Es ist schön zu sehen, dass Sport und Bewegung während der Quarantäne-Zeit an Bedeutung gewonnen haben. Je länger wir zu Hause verweilen mussten, desto mehr drängte sich der Wunsch auf, rauszugehen und sich zu bewegen. Gleichzeitig hatten wir einen goldenen Frühling, was die aufkeimenden Glücksgefühle noch verstärkte.

Es gibt wahrscheinlich niemanden, dem der Sport nicht in irgendeiner Art und Weise gefehlt hat. Die Athleten selbst sind glücklich, wenn es wieder auf die Spielfelder der Träume geht. Alle Unternehmen, die mit der Welt des Sports verbunden sind, haben nicht nur harte Wochen hinter sich, sondern saßen wahrscheinlich eine gefühlte Ewigkeit auf Nadeln, wie es denn weitergehen wird. Wirtschaftlich hat es viele hart getroffen, die mit Sport ihre Brötchen verdienen. Eine Gruppe dürfen wir dabei niemals vergessen: die Fans! Diejenigen, die den Sport gemeinsam mit den Athleten in etwas verwandeln, dass wir nur mit „Magie“ betiteln können. Gemeinsam bilden sie eine emotionale und energetische Einheit, die Geschichten schreibt.

Was wäre denn der Sport ohne Emotionen, ohne die Up’s und Down’s der Sportler, den Freudentränen der Sieger und den bitteren Tränen bei Niederlagen. Dafür lebt der Sport. Dafür leben Athleten. Und nicht zuletzt leben viele treue Fans genau dafür. Für ihren Sportler, ihren Verein. Dieser soziale Aspekt bringt die Stars und den gewöhnlichen Mann oder Frau zusammen, und generiert ein schier unzertrennliches Band.

Es ist mehr als nur legitim, wenn im und mit dem Sport Geld verdient wird.

Ich weiß, Sport ist heutzutage gleichzusetzen mit Business. Auch wenn viele Vereine von ehrenamtlichen Helfern leben – es ohne diese oftmals gar nicht vorstellbar wäre – werden große Budgets benötigt. Es ist mehr als nur legitim, wenn im und mit dem Sport Geld verdient wird. Ich persönlich bin überzeugt, dass viele, die mit dem Sport verbunden sind und an allen Ecken und Enden helfen und ihre wertvolle Zeit opfern, mehr dafür bekommen sollten. Alle sollen und dürfen ein Stück vom Kuchen haben.

Wir stehen gerade jetzt an einem kritischen Punkt. Ja, die Corona-Thematik hat uns dorthin geführt. Ja, wir können im Sport und in der Wirtschaft so weiter machen wie gehabt. Wir sehen aber am Beispiel der Spielergehälter und dem Marktwert einzelner Fußballer, dass sich eine Trendwende abzeichnet. Zu einem gewissen Grad ist es absolut verständlich, wie viel Geld im Sport verdient wird, wie viel auf dem Spiel steht und wie groß die finanziellen Märkte im Sport sind. In meiner Arbeit als Coach mit den verschiedensten Athleten sehe ich dasselbe immer und immer wieder: Der Grund, warum jemand mit einer Sportart begonnen hat, war niemals das Geld. Es waren die Freunde, der Ehrgeiz, der Wettkampf, die Freude und der Spaß, der dort erlebt wurde. Vielleicht sogar der Spaß an der Bewegung und der physischen Weiterentwicklung. Das ist die wahre Essenz des Sports. Je weiter und tiefer ein Sportler in seiner Karriere kommt, desto größer und tiefer ist der Wunsch, wieder genau zu diesen Emotionen Zugang zu finden. Roger Federer hat einmal gesagt, dass sein größtes Ziel ist, das perfekte Spiel zu spielen. Stellen wir uns diesen Gedanken einmal vor unserem geistigen Auge vor: wir können es nicht. Warum? Weil wir wissen – genauso wie Roger Federer – das dies unmöglich ist. Sport besteht aus Fehlern. Manchmal ist genau derjenige am Treppchen ganz oben, der die wenigsten Fehler gemacht hat. Aber diese höchste Vorstellung ist der Ansporn, den einer der weltbesten Tennisspieler der Geschichte hat. Etwas Höheres kann es eigentlich nicht geben. Und dabei geht es nicht um den Applaus der Zuschauer, oder das Preisgeld, das dahintersteht. Es geht um den „einfachen“ Aspekt, das Beste aus sich herauszuholen.

Der Grund, warum jemand mit einer Sportart begonnen hat, war niemals das Geld. Es waren die Freunde, der Ehrgeiz, der Wettkampf, die Freude und der Spaß, der dort erlebt wurde.

Natürlich diskutieren Fans gerne über die Gehälter der Spieler ihres Lieblingsvereins. Es sind aber dieselben Fans, die im Stadion ausrasten, wenn sie ihren Lieblingssportler sprichwörtlich „berühren“ dürfen, wenn sie vielleicht sogar ein paar Worte austauschen können und der Star zum greifbaren Menschen wird. Wir dürfen im Business Sport niemals vergessen, dass es genau darum geht. Und zu diesen Emotionen, Geschichten und die Wege die Sportler gehen, müssen wir zurückkehren. Übrigens, ganz ehrlich: genau damit wird Geld verdient.

Wenn ich mit Sportlern arbeite, ist immer eines unserer gemeinsamen Ziele, das Beste aus dem Sportler herauszukitzeln um gewisse Hürden zu meistern. Aber noch wichtiger: neue Aspekte in die mentale Welt des Athleten zu bringen. Die Ziele sind dabei so unterschiedlich, wie es Menschen nur sein können. Genauso wie die Herangehensweisen. Denn jeder Sportler ist individuell anders. Dem liegt dabei immer der Federer-Gedanke zugrunde. Dasselbe passiert in Unternehmen. Jedes Unternehmen hat seine Kernkompetenzen. Aber erst der Blick über den Tellerrand erschließt neue Potenziale und birgt neue Chancen. Hier kann man sich dieselbe Frage stellen: Wo steckt denn das volle Potenzial im Unternehmen?

Ich möchte nochmal auf sozialen Aspekt zurückkommen. Dem Fakt, dass der Sport von und für die Fans leben muss. Sportler werden mit gewissen Talenten geboren. Es ist unser aller Verpflichtung, diese Talente in die Welt zu bringen. Es macht uns nicht nur Spaß und Freude, die eigenen Talente auszuleben, sondern genau das soll unser großes Ziel sein. Das ist ein Teil unserer Bestimmung. Und genauso fühlt es ein Athlet: Er will seine Talente einsetzen und das Maximum seines Potenzials ausschöpfen und in den Wettkampf umlegen. Wie eine Fußballmannschaft die verschiedensten Talente und Qualitäten braucht, um als Sieger vom Platz zu gehen, so ist es auch in der Wirtschaft. Ein gut funktionierendes Unternehmen hat die richtigen Talente am richtigen Platz. Erfolgreiche Wirtschaftstreibende schaffen Zusammengehörigkeitsgefühl, ein Team im Herzen, und nicht nur am Papier. Wenn Arbeit zu Spaß und Freude wird, und wir diesen Platz als „Familie“ empfinden, dann haben wir alles richtig gemacht. Dieses Gefühl schafft der Sport: ein Gefühl von Freundschaft, und Familie. Das macht den sozialen Aspekt aus. Im kleinen Verein genauso, wie im international agierenden Unternehmen. Gemäß dem Motto unserer Gesellschaft – „gemeinsam schaffen wir das“ – haben wir genau jetzt die Möglichkeit ein neues Zeitalter im Sport und dessen Wirtschaft einzuläuten. Wir brauchen diese mentale Neuausrichtung, diese neuen Ziele und einen Fokus auf das Wesentliche im Sport und im Business: Jetzt erst recht!