Floorball erobert die Turnsäle

Floorball (auch Unihockey und Innebandy genannt) weist starke Ähnlichkeiten zu Eishockey und Hallenhockey auf, ist aber dennoch eine eigenständige Sportart. Während Floorball in Ländern wie Schweden, Finnland, Tschechien und der Schweiz bereits äußerst bekannt ist, kennen in Österreich nur die Wenigsten diesen Teamsport.

Erstmals wurde die Sportart in den 1950er-Jahren in den Vereinigten Staaten unter dem Namen „Floorhockey“ gespielt. In Europa erlangte Floorball zunächst besonders in Skandinavien Aufmerksamkeit und diente dort auch als Sommertraining für Eishockeyspieler. Nachdem sich der Teamsport zunehmend in Europa verbreitete, wurde 1986 in Schweden die „International Floorball Federation“ (IFF) gegründet. Jegliche Bemühungen, die Sportart in das olympische Programm aufzunehmen, sind bislang gescheitert.

Entwicklung in Österreich

In Österreich wurde Floorball erstmals Ende der 1980er-Jahre von Studenten in Leoben (Steiermark) gespielt. Dort entstand 1994 mit dem IBC Leoben auch der erste österreichische Floorball-Verein. Nachdem zwei Jahre später der Österreichische Floorball Verband gegründet wurde, erlebte die Sportart in Österreich einen rasanten Aufstieg. Weitere Vereine wurden ins Leben gerufen, Herren- und Damenauswahlen nahmen bei Weltmeisterschaften teil und 2005 wurde Floorball von der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO) als offizielle Sportart anerkannt.

Regeln und Ausrüstung

Es wird ausschließlich in der Halle gespielt und anders als beim Hallenhockey darf – wie beim Eishockey – hinter den Toren weitergespielt werden. Die Schläger, die aus Carbon oder Composite bestehen, sind im Vergleich zu Hallenhockey mit deutlich größeren Kellen (Schaufeln) ausgestattet. Da im Gegensatz zum Eishockey harte Körpereinsätze beim Floorball nicht erlaubt sind, ist für die Feldspieler keine Schutzausrüstung verpflichtend. Der Torhüter hingegen trägt eine gepolsterte Ausrüstung und einen Helm. Im Unterschied zu den verwandten Sportarten besitzt er keinen eigenen Schläger. Gespielt wird auf einem 20 x 40 m großen Spielfeld, das von einer 50 cm hohen Bande umgeben ist. Als Spielball wird ein 23 g schwerer, hohler Plastikball mit Löchern verwendet, der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreichen kann. Eine Partie ist ähnlich wie beim Eishockey in Drittel von jeweils 20 Minuten unterteilt. Im Falle eines Unentschiedens kommt es zu einer zehnminütigen Verlängerung. Geht aus dieser immer noch kein Sieger hervor, wird das Spiel im Penalty-Schießen entschieden. Pro Mannschaft stehen fünf Feldspieler und ein Torhüter auf dem Platz, wobei durchgehend fliegend gewechselt werden darf. Auf die Abseits-Regel müssen die Spieler nicht achten. Die Tore, die sich 2,85 Meter vor der hinteren Bande befinden, ähneln jenen vom Eishockey. Mit einer Größe von 115 cm x 160 cm sind sie jedoch etwas kleiner.

Die Kelle eines Floorballschlägers und der Spielball. Copyright: Santeri Viinamäki

Spielbetrieb in Österreich

Als höchste Spielklasse für Herrenteams in Österreich gilt die die „International Floorball League“, bei der neben österreichischen Vereinen auch Mannschaften aus Slowenien und Ungarn an den Start gehen. In der kommenden Saison werden der IC Graz, der VSV und der WFV Österreich vertreten. Das Pendant für die Frauen ist die „Women Floorball League“. Linz/Rum, TVZ Wikings Zell am See und der WFV werden versuchen, sich gegen die Konkurrenz aus Slowenien und Ungarn durchzusetzen. In Zukunft wird neben einer österreichischen Herren- und Damen-Bundesliga auch erstmals eine Kleinfeldliga stattfinden, welche insbesondere kleineren Vereinen zu Meisterschaftsspielen verhelfen soll.

Österreich stellt sowohl bei den Damen als auch bei den Herren Nationalteams in der Elite und in der Kategorie U19 auf. Eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft blieb den heimischen Sportlern bislang jedoch verwehrt. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft der Männer in Helsinki (Finnland), die Anfang Dezember dieses Jahres geplant ist, misslang leider. Um in der Zukunft mit den Topnationen mithalten zu können, will der ÖFBV in Zukunft mehr Kinder und Jugendliche für den Sport begeistern. „Das Geheimnis von Floorball in Top-Nationen ist nicht unbedingt, dass dort bessere Trainings gemacht werden, bessere Trainer arbeiten, oder eine bessere Infrastruktur zur Verfügung steht. Die Kinder bekommen dort viel früher und v. a. viel öfter Wettkampfpraxis geboten“, sagt der ÖFBV-Präsident Armin Raditschnig. Als großer Fortschritt galt die Eröffnung der „SOUL-School of Unihockey Linz“. Diese bietet Lehrern Floorball-Fortbildungen und Schülern Probetrainings im Rahmen des Unterrichts an. Zudem finden jährlich in den meisten Bundesländern Floorball-Schulmeisterschaften statt. Außerdem will der ÖFBV in den nächsten Jahren auch erstmals eine landesweite Bundesschulmeisterschaft einführen.

Österreichischer Floorball Verband
WM Qualifikation 2020 – Österreich vs Frankreich (Video)