Erst der Ball, dann der Knall – 40 Jahre American Football in Österreich

Von Sven Lachner

800 Millionen Zuschauer haben den Super Bowl 2019 im TV gesehen. Die Faszination für den American Football ist weltweit sehr groß. Das körperlich fordernde Spiel ist auch in Österreich seit 40 Jahren zu Hause. Schon in den 1970-Jahren schafften es drei Österreicher in die amerikanische Profiliga.

Der Football fliegt von der Mitte des Feldes in einem hohen Bogen zum linken Rand des Spielfelds. Wie aus dem nichts kommt ein Spieler gelaufen und fängt den Ball aus der Luft. Mit voller Kraft läuft er Richtung Endzone weiter. Doch da stellt sich ihm ein Verteidiger in den Weg. Jerome Simpson, hat keine andere Wahl. Er setzt zum Sprung an, macht einen Salto vorwärts über den gegnerischen Spieler und landet auf seinen Füßen in der Endzone. Touchdown!

Infografik American Football

Solche Szenen machen den Reiz des American Footballs aus. Ein Sport der erstmals vor 150 Jahren, am 6. November 1869 an einer amerikanischen Universität gespielt wurde. In seinen frühen Jahren forderte der mit großer Härte gespielte Sport einige Opfer. Durch Regeländerungen wird das Spiel aber mit den Jahren nicht nur für die Spieler sicherer, es wird auch für die Zuschauer interessanter.

Seit 40 Jahren in Österreich

In Österreich wird seit dem Jahr 1979 Football gespielt. Der Verein Vienna Ramblocks war nicht nur der erste österreichische American Footballverein, sondern auch einer der ersten in Europa. Nach der Gründung weiterer Clubs in Graz und Salzburg, Anfang der 80 Jahre, entwickelt sich eine gesunde Clublandschaft, der heute mehr als 40 Vereine angehören. Gespielt wird in vier Ligen. Seit 1982 gibt es, mit Unterbrechungen, ein österreichisches Nationalteam. Zu den größten Erfolgen diese Teams zählen der 7. Platz bei der Weltmeisterschaft 2011 und zwei Vize-Europameistertitel in den Jahren 2014 und 2018.

Seit 1997 gibt es auch eine eigene Damenliga, in der zurzeit sechs Mannschaften spielen.

Ein Regelwerk für Profis

Für den Laien bietet American Football ein schier unüberschaubares Feld an Regeln und Fachbegriffen. Hinter all diesen Formalismen steht aber ein Grundgedanke. Es geht darum Raum zu gewinnen und Punkte zu erzielen. Dafür haben die Spieler viermal 15 Minuten Zeit. Anders als beim Fußball handelt es sich dabei um eine Nettospielzeit, d.h. die Uhr wird zwischen den Spielzügen gestoppt. Die Spielfläche ist 100 Yards lang und 53,3 Yards breit, das entspricht etwa der Größe eines Fußballfeldes. An beiden Enden des Spielfeldes befinden sich die Endzonen, in denen das stimmgabelförmige Tor steht. Jede Mannschaft hat, wie beim Fußball, elf Spieler am Feld. Die Mannschaften verfügen aber auch über eine große Zahl an Austauschspielern, die je nach Spielsituation, aufs Feld gebracht werden. Punkte gibt es, indem der Ball in die gegnerische Endzone getragen oder geschossen wird. Fouls werden durch Flaggen signalisiert. Über den Regeleinhalt wachen bis zu sieben Schiedsrichter.

Von Hütteldorf nach Dallas

Der ehemalige Rapid-Stürmer “Wembley-Toni” Fritsch auf einer Football-Sammelkarte aus dem Jahr 1974.

Schon Jahre bevor der erste österreichischen American Football Club gegründet wird schafft es ein Österreicher in die amerikanische Profiliga. Der Flügelstürmer der Rapid Wien, „Wembley-Toni“ Fritsch wird 1971 der erste österreichische American Football-Profi. Nach 123 Meisterschaftsspielen für Rapid wird er vom Head Coach der Dallas Cowboys, als Kicker, in die USA geholt. Gleich in seiner ersten Saison gewinnt er mit den Cowboys den Super Bowl. Insgesamt spielt Fritsch 14 Jahre als Profi in Amerika Football. Wie Fritsch schafft auch Toni Linhart 1972 den Sprung vom österreichischen Fußballprofi zum amerikanischen Footballprofi. 1976 war er mit 109 Punkten sogar der beste Scorer der NFL. Der dritte Österreicher mit NFL Erfahrung ist Raimund „Ray“ Werschnig. Im Gegensatz zu seinen beiden Landsleuten ist er als Sohn österreichischer Auswanderer in Amerika aufgewachsen. Mit seiner Mannschaft, den San Francisco 49ers, gelingt ihm in den Jahren 1982 und 1985 der Super Bowl Sieg.

NFL- Chancen für vier Österreicher

Seit 2017 veranstaltet die NFL ein internationales „Invitational Scouting Showcase“, um potenzielle Footballtalente aus der ganzen Welt zu entdecken. Heuer findet diese Veranstaltung in der Sportschule Hennef bei Köln statt. Spieler aus 15 Ländern sind eingeladen bei Geschwindigkeits-, Beweglichkeits-, Kraft- und Geschicklichkeitstests ihre sportlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Heuer haben es sogar vier Österreicher in die Auswahl geschafft. Bernhard Seikovits, Leon Balogh, Sandro Platzgummer und Yannick Mayr. Ob einer der vier die Leistungsstandards erfüllt hat und für drei Monate zum Training in den USA eingeladen wird, werden wir in den nächsten Wochen erfahren.

Ein Dachverband für drei Sportarten

Der American Football Bund Österreich (AFBÖ) ist der Dachverband für American Football, Cheerleading und Flag Football. Das Cheerleading ist eng mit dem Football verbunden, da die ursprüngliche Aufgabe das Anfeuern der eigenen Mannschaft während dem Spiel war. Die Cheerleaderinnen feuern zwar immer noch an, aber darüber hinaus hat sich eine eigenständige Wettkampfsportart mit Elementen des Turnens, der Akrobatik und des Tanzes entwickelt. Flag Football stellt eine Variante des American Footballs dar. Der wesentliche Unterschied ist, dass der Spieler mit Ball nicht körperlich angegriffen werden darf. Anstelle des Tackels wird ihm ein Flag aus dem Gürtel gezogen. Im Flag Football werden auch internationale Wettbewerbe abgehalten, bei denen die Österreichische Damen- und Herrennationalmannschaften zu den Top Mannschaften zählen.

Weitere Informationen zu den Sportarten finden sie auf der Hompage des AFBÖ unter http://football.at/ .