Der Stoff aus dem die Träume sind: Emotionen

Ein Wettkampf ohne Emotionen ist kaum möglich. Sportler, Trainer und Fans teilen sie. Emotionen sind Energie. Athleten können diese für ihren Erfolg nutzen.

Von Philipp Nägele

Was wäre der Sport ohne Emotionen? Unglaublich, aber es wäre tatsächlich nicht zu vergleichen. Es würde alles fehlen. Aus Emotionen heraus ist beinahe jeder Sport aufgebaut. Oder – wie beim Sport-Schießen, Snooker oder Schach – es geht dann darum, genau diese Emotionen im Zaum zu halten. Zu kontrollieren, Herr über diese zu werden und mit den Emotionen hauszuhalten und zu spielen.

Vor Jahren wurde Panathinaikos Athen im Basketball von der FIBA – der internationalen Basketball Föderation – in der Euroleague, der höchsten europäischen Liga, hart bestraft. Bei allen ihren Heimspielen wurden die Zuschauer verbannt. Es waren „Geister-Spiele“: Man konnte jedes Wort der Trainer, der Spieler und von der Spielerbank hören. Aber keine Musik, kein Jubel und keine Emotionen aus den Rängen. Sehr suspekt. Es war wirklich unglaublich komisch. Selbst vor dem Fernseher waren es ein komplett anderes Spiele als sonst. Vor allem, wenn man weiß, dass die griechischen Fans absolute Fanatiker sind. Da geht es bei jedem Athen-Spiel, in der Liga, aber auch bei Europa- und Weltmeisterschaften in Griechenland und in den Hallen richtig heiß her. Mit den türkischen Fans sind die griechischen Fans auf einer Wellenlänge, wenn es um Emotionen, Anfeuern, Jubel, Trubel, Freud und Leid geht.

Ich kann mich selbst noch sehr gut daran erinnern – als wäre es gestern gewesen – wie ich das erste Mal gelernt habe, mit meinen Emotionen umzugehen. Ich hatte mit circa 6 Jahren mit dem Tennisspielen angefangen. Es war bald zu spüren, dass ich ein wenig Talent für den Sport hatte, und auch ein gewisses Ballgefühl mitbrachte. Und was macht ein junger Sportler sehr oft – genauso wie ich es tat: ich „imitierte“ die älteren Spieler. Vor allem die Spieler, die ich sehr oft im Verein spielen sah. Wahrlich ein Spiel voller Emotionen. Vor allem aber die negativen Emotionen. Dinge, die man am Tennisplatz nicht gerne sah. Wut, Ärger, Zorn mündeten in verbalen Exzessen und Schläger werfen. Schnell merkte ich, dass mich das in den Ergebnissen nicht weiterbrachte. In jedem Match musste ich mit meinen Emotionen umgehen. Zu Beginn versuchte ich, die negativen Emotionen zu unterdrücken. Bis diese sich so aufgestaut hatten, dass ich der Wut wieder Luft machte. Auf bekannte Weise. Das waren dann auch die Momente an denen ich genau folgende Gedanken hatte: „Jetzt haust du auf die nächsten Bälle – die nächsten 3 Punkte – voll drauf; egal ob du damit einen Punkt gewinnst oder nicht.“ Natürlich war auch das niemals von Erfolg gekrönt. Dann versuchte ich, die Schläge zu präzisieren. Auch das war mit der Wut im Bauch gar nicht so einfach. Dann aber kam mir ein wichtiger und richtiger Gedanke: „Es ist Energie! Es ist meine Energie. Ich muss damit etwas machen. Ich muss diese kanalisieren.“ Das war der springende Funke, den ich brauchte. Denn dann versuchte ich, zum Beispiel diese Energie – der Zorn und den Ärger – in meine Beinarbeit zu legen. Oder aktiver zu sein. Mehr nach vorne zu spielen. Damit veränderte sich alles.

Jede Emotion, egal ob positive oder negative, ob Freude, oder Wut, Zorn oder Ärger: all diese Emotionen sind Energie. Sie haben eine magische Kraft. Wir spüren diese ganz klar in uns. Sie können unglaublich stark in uns sein. Manches Mal haben wir sogar das Gefühl, sie haben die Herrschaft über uns. Aber genau das ist der springende Punkt: Es ist meine Energie. Egal ob Freude oder Zorn, mit beidem kann – ja muss ich sogar – etwas anfangen!

Die Moral von der Geschichte ist sehr einfach: DU hast es in der Hand. So wie jeder andere Athlet auch. Emotionen sind gut, wenn du gelernt hast, MIT diesen zu arbeiten. Die Frage ist am Ende immer: Was mache ich mit meiner Energie? Nimm Sie und arbeite täglich daran und vor allem, mit der Energie.