Die Einstellung macht die Sieger

Wir sind es gewohnt, verschieden Nationen unterschiedliche Mentalitäten zuzuschreiben. Die richtige Mentalität birgt im Sport ein großes Potenzial. Gepaart mit Ruhe und Selbstvertrauen führt sie jeden auf die Siegerstraße.

Von Philipp Nägele

Wir alle kennen den Begriff „Mentalität“. Wenn wir von Italienern oder Spaniern sprechen, nennen wir diese heißblütig. Wenn wir von Norwegern, Isländer oder Schweden sprechen, sind sie kühl, trocken und abgezockt. Mentalität ist für mich ein großer Begriff. Aber noch wichtiger: es ist etwas Individuelles!

Mentalität bedeutet vor allem, welche Einstellung jemand hat. Legen wir das auf Athleten um, dann ist eines klar: die richtige Einstellung im Wettkampf – gepaart mit Selbstvertrauen – birgt eine größere Chance auf Erfolg als wenn diese nicht passt oder nicht vorhanden ist.

Mentalität bedeutet aber sprichwörtlich auch, die Art zu denken und zu fühlen, und nicht wie temperamentvoll jemand ist. „Das kann ja nichts werden“, oder „dann probieren wir es einmal“: wie wirkt das auf dich? Wenn ein Sportler so etwas sagt, oder auch nur denkt, welche Erfolgschancen sind dann da? Wir kennen genauso folgenden Spruch: „Wenn ich es nicht probiere, habe ich sowieso schon verloren.“ Alle diese Gedanken sind definitiv nicht gewinnbringend. Der Fokus liegt hier komplett falsch, und von einer „Mentalität“ kann man wohl nicht sprechen. Wenn der Fokus auf ein positives Gefühl, auf den Glauben zu gewinnen, auf seine Stärken, auf spezielle Fokuspunkte gerichtet wird – wie zum Beispiel die Beinarbeit im Tennis, dann sieht es schon anders aus.

„Wenn ich es nicht probiere, habe ich sowieso schon verloren.“

Wer so in den Wettkampf geht, kann nicht gewinnen

Man könnte Mentalität auch mit Haltung verbinden. Es ist aber nicht nur die innere Haltung, die den Unterschied macht. Genauso die körperliche Haltung – wie auch Trainer gerne die Körpersprache bei Ihren Schützlingen ansprechen – spielt dabei eine entscheidende Rolle. Warum? Was viele nicht wissen ist, dass wir über die körperliche Haltung zu einer verbesserten inneren Haltung gelangen können.

Ich gebe Dir ein Beispiel: vor ein paar Jahren unterstützte ich als MentalCoach eine Mädchen-Volleyball-Mannschaft auf dem Weg zu den Schul-Bundesmeisterschaften. Sie waren vorab schon sehr aufgeregt, denn sie durften allesamt zum ersten Mal dorthin fahren. Die Schule war des Öfteren schon dort erfolgreich und hatte sich einen Namen gemacht. Jetzt wollten die „Neulinge“ nicht versagen. Sie hatten „nur“ eine Spielerin, die wirklich groß war. Alle anderen waren von normaler Statur für ihre 13, 14 Jahre. Also arbeiteten wir an der Körperhaltung, vor allem schon, beim Einlaufen auf das Feld. Jetzt stell dir vor, du läuft auf das Feld in gebückter Haltung. Wie fühlst du dich dabei? Was denkst du, wird sich dein Gegner denken, wenn du so auf das Feld kommst? Oder umgekehrt – und zwar so, wie ich es mit den Mädchen geübt hatte: Aufrecht, Brust raus, Kopf hoch, Atmung bewusst einsetzen. Auf diese Art und Weise sind wir eingelaufen. Wir wollten unserem Gegner vermitteln: Jetzt musst du zuerst einmal an uns vorbei. Und genau diese Körperhaltung spiegelt das wider nach Außen!

Worin liegt nun die Individualität? Nicht jeder Italiener ist heißblütig. So sind auch nicht alle Sportler vom selben Schlag. Nicht alle Nordländer haben die innere Ruhe mit Löffeln gegessen. So findet auch jeder Athlet seinen Ort der Ruhe und der Balance anders. Wichtig ist: Jeder Athlet braucht das! Jeder braucht diese Ruhe vor dem Sturm, vor einem Wettkampf. Oder Selbstvertrauen, oder eine gewisse „Gespanntheit“, um bereit zu sein, wenn er auf dem Spielfelde seines Sports steht. Die persönliche Mentalität und Einstellung – gepaart mit den wichtigsten Eigenschaften der Ruhe und des Selbstvertrauens, bringen jeden auf die Siegerstraße!