Der Weg ist das Ziel

In der gegenwärtigen Corona-Krise dürfen die eigenen Ziele nicht aus den Augen verloren werden. Gerade jetzt sollten neue Ziele visualisiert werden und Visionen entwickelt, denn jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Von Philipp Nägele

Wirklich jeder kennt diesen Spruch des chinesischen Philosophen Konfuzius: „Der Weg ist das Ziel“. Welchen Fokus müssen wir hier aber nehmen? Auf das Ziel oder auf den Weg?

Zielorientierung nenne ich den Faktor, der gerade jetzt während der Corona-Krise umso wichtiger ist. Stell dir vor, du hast jetzt als Athlet in dieser „Daheim-bleib-Phase“ kein sportliches Ziel. Woher nimmst du dann die Motivation, dich täglich weiterzuentwickeln? Es stellt sich dann auch die Frage, woran du arbeiten wirst, bzw. wo du dich weiterentwickeln willst. Gerade jetzt ist nicht nur „Level“ halten Thema, sondern der beste Zeitpunkt für neue Entwicklung und den Körper und den Geist voranzubringen. Jetzt in diesem Augenblick ist es wundervoll sich neue Ziele zu stecken und neue Visionen zu entwickeln!

Noch eine kleine Anekdote aus meiner Coaching-Karriere in Bezug auf Zielorientierung: mit einer Volleyballerin startete ich ein Coaching in Hinsicht auf Nervosität vor den Wettkämpfen. Es stellte sich heraus, dass dies nur der Startschuss zu einer langen sportlichen Reise werden sollte. Denn über Nervosität entwickelten wir Fähigkeiten wie Timing, Vielseitigkeit, Sprung in die erste österreichische Liga und die Entwicklung zur Führungsspielerin über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Auch wenn wir zu Beginn unserer Zusammenarbeit schon eine kleine Vision hatten, wohin es gehen könnte, entwickelte sich die Orientierung an die wirklich großen Ziele erst mit der Zeit.

Darüber hinaus gibt es zwei weitere Elemente in diesem Thema, die immer wieder mal Probleme machen. Die Visualisierung des Zieles und den Überblick über den Weg dorthin. Bingo, da sind wir wieder: Der Weg ist das Ziel. Es ist wirklich wichtig, dass ein Athlet ein Bild davon hat, wohin er will. Sozusagen das Ziel sich bildlich vorstellen kann – sprichwörtlich sich selbst schon auf dem Treppchen auf der Nummer 1 stehen zu sehen. Und gleichzeitig zu wissen, welche Schritte es benötigt, um zu diesem Ziel zu kommen – also Zwischenziele brauchen wir somit auch! Conclusio: wir brauchen das Ziel, Zwischenziele, die Vision, den Überblick und das Wissen, was wir als Sportler brauchen um dorthin zu kommen.

Mir persönlich hat dabei immer wieder geholfen, meinen Standpunkt auf einer Zeitlinie zu sehen. Dabei konnte ich immer wieder zurückblicken und sehen, wie weit ich denn schon gekommen bin. Und dann mich umzudrehen und nach vorne zu blicken: wie viel Zeit bleibt mir noch, um an meine Ziele zu kommen und somit mutig und zielstrebig weiter zu arbeiten. Es bringt immer großer Erleichterung mit dem Blick nach vorne und der Gewissheit, dass noch Zeit da ist. Und es stärkt gleichzeitig die Ergebnisse und tollen Erlebnisse der Vergangenheit mitzunehmen.

Also kommen wir am Ende wieder zurück zur Frage, worauf der Fokus liegt: auf dem Weg oder auf dem Ziel? Es kann nur beides sein! Ohne Ziel kein Weg, und ohne Weg kein Ziel. Da passt auch diese alte Weisheit dazu: „Der Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“ Und genau dieser Schritt muss täglich getan werden, damit wir uns überhaupt auf den Weg machen, um somit am Ende an ein Ziel kommen können.