Casting – die Angel im anderweitigen Einsatz

Casting ist eine Sportart, in der die Teilnehmer Angelgeräte verwenden, die mit Wurfgewichten oder Turnierfliegen (Köder) ausgestattet sind. In verschiedenen Disziplinen visieren die Sportler entweder ein Ziel an oder versuchen, ihr Gewicht möglichst weit zu werfen.

In der Regel finden Casting-Turniere auf dem Rasen von Sportplätzen und manchmal auch in einer Halle statt. Casting wird oft irrtümlich als Angeln oder Fischen bezeichnet. Die Grundvoraussetzung des Angelns ist es, Fische zu fangen, beim Casting wird lediglich die Angel als Wurfobjekt genützt. Insgesamt stehen beim Casting neun Disziplinen zur Auswahl. Vier sind dem Ziel- und fünf dem Weitwurf untergeordnet. Für jeden Bewerb gelten eigene Bahn-, Material und Zeitvorgaben. Außerdem stehen auch Drei-, Fünf, Sieben und Neunkämpfe auf dem Programm.

Wir sind eine Randsportart unter den Randsportarten.

Helmut Hochwartner

Imageprobleme

Obwohl der Österreichischer Turniersport (Casting) Verband seit 1966 ordentliches Mitglied der Österreichischen Bundessportorganisation ist und damit Casting als offizielle Sportart anerkannt wird, ist der Sport nur den Wenigsten ein Begriff. „Wir sind eine Randsportart unter den Randsportarten. Natürlich haben wir in der Sportöffentlichkeit ein dramatisches Anerkennungsproblem. Auf der Wiese stehen und fischen – das hat kein Image“, sagt der Präsident des Österreichischen Castingverbandes Helmut Hochwartner. In den Topnationen, wie Tschechien, Polen, Slowakei und Deutschland, hat Casting einen höheren Stellenwert und es steht eine bessere Infrastruktur zur Verfügung. Hierzulande sind die Trainingsmöglichkeiten besonders in den Städten stark begrenzt.

Geschichte

Casting kann auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Bereits im Jahr 1864 ging in New York das erste Casting-Turnier über die Bühne. Zunächst diente die Sportart, die damals noch im Wasser ausgeübt wurde, als Training für die Wurftechnik der Angler. Nachdem besonders in England zahlreiche Turniere stattfanden, wurde 1955 der internationale Casting-Weltverband (ICSF) gegründet. Zwei Jahre später kam in Deutschland die erste Weltmeisterschaft zustande. Casting ist noch nicht bei Olympia vertreten, dafür jedoch seit 1980 im Programm der „World Games“ (Weltspiele für nichtolympische Sportarten) zu finden.

Österreichs Leistungsträgerin

Derzeit ist Alena Kläusler die erfolgreichste Österreicherin im Castingsport. Besonders in der Disziplin „Fliege Weit – Einhand“, in der von einem Podest aus mit einer bis zu drei Meter langen Einhand-Angel geworfen wird, weiß sie zu überzeugen. Sie holte zahlreiche WM-Medaillen, wie die Goldene bei den Weltmeisterschaften 2017 in Polen und 2016 in Spanien. Bei den österreichischen Meisterschaften 2019 kürte sie sich in acht von neun Disziplinen zur Staatsmeisterin. Zudem hält sie sieben österreichische Rekorde. Mit ihrem Mann Markus Kläusler hat sie in der Schweiz einen eigenen Verein gegründet. Dort trainiert auch ihr Sohn Christian Zinner mit, der selbst erfolgreich im Weltcup für Österreich am Start ist.

Alena Kläusler beim Weltcup 2019 in Tokio. © Copyright Österreichischer Turniersport (Casting) Verband

Insofern der Sicherheitsabstand eingehalten wird, ist das Casting-Training auf Sportanlagen wieder erlaubt. Dennoch werden alle Casting-Veranstaltungen inklusive der Weltmeisterschaft in Schweden ins Jahr 2021 verschoben. Die World Games 2021, bei denen Casting im Programm steht, werden ebenfalls um ein Jahr nach hinten verlegt.

Österreichischer Verband
Weltverband